Es sind nicht immer die offensichtlichen Momente, die ein Festivalerlebnis zu dem machen, was es ist. Natürlich, die Foo Fighters am Freitag Abend waren grandios. Dave Grohl ist einfach der sympathischte Rockstar auf diesem Planeten doch manchmal reicht es, wenn ein paar junge Typen mit dem sperrigen Namen AnnenMayKantereit auf der Bühne stehen und völlig unaufgeregt ihre Songs präsentieren. Das ganze passiert allerdings in der vollbesetzten Alternarena, der Indoor-Bühne des Festivals. Ein absolut hervorragender Auftritt der tief unter die Haut geht.

Und dahin gehen auch die UV-Strahlen der gnadenlos knallenden Sonne. Nachdem das Wetter die ganze Woche vor dem Park eher durchwachsen war, steht der Stern ab Tag eins strahlend am Himmel. Die Eisverkäufer verdienen sich eine goldene Nase und die Getränkestände werden ohne Unterbrechung belagert. Beste Voraussetzungen also für Acts wie Frank Turner, der aufgrund der Absage von Hozier einen Tag früher ran muss. Dafür darf er auch auf die Hauptbühne und dass er das kann, das beweist er ja schon regelmäßig in seinem Heimatland England, wo er auf den Festivals auch schon die ganz großen Slots bespielt. Heute wird zwar zum gemütlichen Nachmittagskaffee aufgespielt, doch auch das kann der Mann, der sich offenbar nur auf der Bühne so richtig wohlfühlt.

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The Bad…

20Km Zaun, 100 Nightliner, 4000 Essen für Crew und Bands. Das sind zufällige Fakten aus dem Presserider, der mir zugesteckt wurde, doch sie machen deutlich in welchen Dimensionen sich Rock im Park heuer bewegt. 79.500 Zuschauer (75000 Dauerkarten und 4500 Tagestickets) machen das Gelände rund um das und auf dem Zeppelinfeld zu einer wild pulsierenden, eigenen Welt. Und das bringt natürlich einige Probleme mit sich.
Vor allem wenn das Wetter nicht so macht wie es soll. Am Samstag Abend wird das gesamte Festivalgelände evakuiert. Etwa 12600 der 75000 Dauergäste sammeln sich in den offiziellen Auffangstellen Stadion, Colosseum und Messeparkhaus. Andere ziehen sich in ihr Auto zurück oder lassen sich von der Ansage erst überhaupt nicht aus der Ruhe bringen.
Jedenfalls zieht am Samstag Abend eine Gewitterfront auf Nürnberg zu. In der Pressekonferenz heißt es hinterher von offizieller Seite, dass alles nicht hätte besser ablaufen können, doch von betroffenen Festivalbesuchern hört man desöfteren mal andere Versionen. Überforderte Security und unklare Anweisungen führen in dieser Nacht nicht unbedingt zu vollkommen zufriedenen Festivalisten.
Zum Glück streift der Sturm Nürnberg nur, der befürchtete GAU bleibt glücklicherweise aus.

Brenzlig wurde es aber auch vorher schon. Freitags spielten Slipknot auf der zweiten Bühne alias Park Stage. Soweit so gut. Der Auftritt startete nach dem Ende der Foo Fighters Show. Logische Konsequenz: Jeder wollte von der Hauptbühne rüberwechseln – zum nächsten Spektakel. Problem nur: Die Park Stage war bereits voll und eigentlich durch eine Kette von Ordnern gesperrt. Diese wurde aber einfach überrannt und der eigentlich als Ausgang vorgesehene Bereich zum unfreiweilligen Eingang. Zusätzlich wurden Zäune überklettert und so wurde die Situation für Leute im Innenraum immer beengter. Die Veranstalter reagierten mit der Öffnung von Reserveflächen, doch bis diese Massnahme ihre Wirkung entfaltete, verging einige Zeit.
Und so berichtet ein Freund von wirklich beängstigenden Momenten in der Mitte des Areals, aus dem ein Entkommen über eine gefühlte Ewigkeit hinweg quasi unmöglich war.

The Good…

Vor der Teilevakuierung Samstag Nacht spielen Die Toten Hosen eine ihrer legendären Headlineshows, zu dem Zeitpunkt noch bei gutem Wetter. Hits werden an der Stange präsentiert und auch in den hinteren Reihen kocht die Stimmung über. Man muss die Band jetzt nicht gut finden, aber die, die es tun, haben offensichtlich viel Spaß.

Eine Nummer bombastischer sind die Foo Fighters am ersten Abend des Festivals. Die Menge, sowieso schon durch die Beatsteaks auf 180, die kurz zuvor mit ihrem Co-Headliner-Set über das Zeppelinfeld stürmten, kollabiert beinahe. Everlong, Monkeywrench, Learn To Fly. Was für ein Start. Was soll da noch kommen? Doch die unfassbaren 2 ½ Stunden Spielzeit füllen die Foo Fighters mühelos. Und das fast ohne Showtricks. Purer Rock’n’roll. Eine Lehrstunde für jede andere Band.

Doch auch die eher kleineren Nummern des Business wissen zu begeistern. Bilderbuch zum Beispiel, die relativ früh angesetzt für einen sehr gut gefüllten Platz vor der Park Stage sorgen, oder auch Tocotronic die auf gleicher Bühne eines ihrer wohl besten Festivalsets der letzten Jahre raushauen.

Was bleibt eigentlich noch? Bad Religion liefern solide wie immer ab, Jamie T sorgt mit Zombie für den Ohrwurm des Wochenendes, Marilyn Manson fällt von der Bühne und K.I.Z. zeigen einmal mehr, warum sie die großartigste und beste Hip-Hop Crew in Deutschland sind.

Fazit

Rock im Park, manchmal etwas chaotisch, manchmal gefühlt nicht so ganz durchdacht, doch immer heiß und immer spaßig. Für einen regelmässigen Parkrocker fühlte es sich 2015 zu voll an. Das Gelände scheint am absoluten Limit angekommen, auch wenn Argo theoretisch sogar noch Raum für Vergrösserung sieht. Umsetzen wolle man das aber mittelfristig nicht.
Eines der Ergebnisse der Pressekonferenz, im Laufe derer die Veranstalter auch einige Neuerungen für das kommende Jahr ankündigen und versprechen wieder ein spektakuläres Line-Up zu liefern. Spezielle Andeutungen bleiben heuer aus.
Bei MLK nimmt man zwar gerne den Mund sehr voll, doch nach der 2015er Version von Rock im Park kann man eigentlich damit rechnen, dass auch im nächsten Jahr der Ring und Park Anfang Juni erneut zum Mekka von Musikfans aus ganz Europa mutieren wird.

Rock im Park 2016 geht vom 3.-5. Juni von statten. Karten sind noch keine im Handel.

 

Anmerkung: Mangels Fotoberechtigung für die Hauptbühne, bleiben leider viele der angesprochenen Bands ohne begleitenes Bildmaterial. Sry.