Mumford & Sons spielen zwei Abende in der Berliner Waldbühne. 44.000 Menschen werden Zeuge von Konzerten die zeigen, dass kleine Bands innerhalb kürzester Zeit zu Massenphänomenen werden können.

Mumford & Sons - Alle Fotos: Steffen Neumeister
Mumford & Sons – Alle Fotos: Steffen Neumeister

Marcus Mumford ist Rockstar. Das steht spätestens nach den zwei Abenden in der Waldbühne fest. Die Menschen kreischen wenn er die Bühne betritt, hunderte Hände zerren an ihm wenn er sich an einem Gang durchs Publikum versucht. Doch trotzdem ist er auch immer noch der Typ, der damals mit Laura Marling und Frank Turner im Nambucca, einer Kneipe im Londoner Norden, abhing, bevor es für alle in die steile Karriefahrt ging. Für Marcus ging die Treppe am steilsten nach oben. Mindestens genauso steil wie die Treppen, die in den Innenraum der beeindruckenden Waldbühne führen. Doch trotzdem wirkt er wie der nette Typ, der mit einer Akusikgitarre um den Hals als Hintergrundbeschallung im Irish Pub um die Ecke spielt. Auch nach unzähligen Shows vor abertausenden Menschen freuen sich Marcus Mumford und seine Mitmusiker über die beeindruckende Kulisse der Waldbühne wie kleine Kinder.

mumford_sons_berlin-16 Und die Kulisse beweist: Mumford & Sons sind eine Band für die Massen. Bereits vor dem Konzert schwappen die Laolawellen die Ränge hoch, wird sich hingesetzt und wieder aufgesprungen und werden Lieder angestimmt und von allen mitgesungen. Da ist der Hipster mit Vollbart, der Punkrocker mit Iro und die Jungfamilie mit Kleinkind und alle stehen sie nebeneinander und klatschen Rhytmisch im Takt der Musik. Was auffällt: Songs des neuen Albums ziehen die Stimmung meist ein wenig runter. Da wird sich auf den Rängen schon mal hingesetzt um wieder Kraft für die älteren Werke zu sammeln. Von Klassikern kann man bei einer Band, welche sich 2007 erst gründete wohl weniger sprechen, jedoch bestehen kaum Zweifel, dass Songs wie I Will Wait oder Little Lion Man auch noch in zehn Jahren großartige Songs sein werden, vor allem nicht hier in der Waldbühne, wo sie aus zehntausenden Kehlen lauthals in Richtung Bühne gebrüllt werden.

Je dunkler der Abendhimmel wird, desto intensiver wird die Stimmung. Laser- und Lichtblitze zucken durch die Nacht, auf der Bühne blitzt und blinkt es und die Menschen davor springen im Takt. Bis hoch in die letzten Reihen breitet sich immer wieder die Gänsehaut aus, die diesen Abend so besonders macht. Grade die ruhigen Momente sorgen für offene Münder. Es ist unglaublich wie still 22.000 Menschen sein können wenn die Band sie nett darum bittet, nur um im nächsten Song wieder in ekstatische Jubelstürme auszubrechen.

Manchmal braucht es eben nicht viel mehr als eine Akustikgitarre, einen Kontrabass, ein Banjo und tolle Stimmen um die Massen zu begeistern. Mumford & Sons haben mit ihren einzigen beiden Deutschlandkonzerten 2015 bewiesen, dass Stadien auch ohne die ganz großen Gesten mitgerissen werden können. Sie haben verstanden, dass wahre Emotionen oft wesentlich effektiver sind als billige Effekthascherei.