Kann man es einen kleinen Denkzettel nennen? Nicht wirklich. Statt 12 Stunden wie im Vorjahr hat es heuer eben 22 Stunden von Anfang bis Ende des Vorverkaufs gedauert. Unter dem Strich bleibt das Ergebnis der absolute Wahnsinn: Alle 75000 Wacken Tickets sind binnen eines Tages an den Festivalisten gebracht. Investitionen in die Serverkapazität machten zudem das Shopping auf metaltix.com zu einem weit weniger schmerzlichen Erlebnis. Vorzeitiger Ausverkauf, dieses Kunststück gelingt dem Festival nun schon im elften Jahr in Folge. Doch erst seit den 2010er Jahren hat man quasi keinen Spielraum mehr uninformiert oder zögerlich zu sein.

Preiserhöhung und Matsch haben keinen echten Einfluss auf Nachfrage

Der 10 Euro Aufschlag pro Karte im Vergleich zum Vorjahr hatte keinen Einfluss auf das Kaufverhalten der Fans. Auch der allgegenwärtige, feuchte Matsch des vergangenen Wochenendes konnte die Massen nicht abschrecken. Im Gegenteil: Der 2014 gerade frisch aufgestellte Vorverkaufsrekord von 12 Stunden wurde zwar verpasst. Binnen 22 Stunden waren alle 75000 Wochenendkarten vergriffen – was mehr als sportlich ist. Einen ähnlichen Run auf Tickets kann in Deutschland maximal die Fusion vorweisen.

Uns Festivalisten kann diese beständige Entwicklung hin zum Turboausverkauf aus dreierlei Hinsicht sowieso nicht gefallen.
Zum einen ebnet sie den Boden für weitere Preissteigerungen – denn die Wacken-Jünger scheinen bedenkenlos zuzugreifen, egal zu welchem Preis. Sie senden damit ein desaströses Signal an den Veranstalter: theoretisch tun und lassen zu können was er möchte.
Das gilt auch fürs Booking. Man stelle sich vor, das Wacken würde nicht jedes Mal innerhalb eines Tages ausverkaufen. Der Druck auf die Booking-Abteilung wäre ein anderer. Zöge sich die Verkaufsphase über Wochen und Monate hin, würde man sich mittelfristig um den ein oder anderen Top-Act mehr kümmern müssen.
Ein weiterer Aspekt: Als potentieller Wackenbesucher wird man in immer kürzeren Zeiträumen zu einer Kaufentscheidung gezwungen. Wer die lächerlich kurze Verkaufsphase verpasst, muss auf eine Warteliste/Tauschbörse hoffen oder sich sein Ticket über graue Kanäle ziehen.

Serverpower verkürzt Verkaufsphase und schont die Nerven

Eigentlich schien heute Morgen alles seinen gewohnten Trott zu gehen. 15 Minuten vor dem Verkaufsstart um 0 Uhr waren die Server des Kartenverkäufers nicht zu erreichen. Wahrscheinlich aber nur, weil das Shopsystem für den Ansturm fit machte wurde. Nach ruckeligem Start lief der Vorverkauf dann nämlich wie am Schnürchen.
Selbst wenn der Load Balancer alias Warteschleife einen beim ersten Mal rauskegelte – spätestens beim zweiten Versuch landete man auf der Metaltix-Startseite und konnte sich zu den Ticketangeboten durchhangeln. Ab 1:30 Uhr war der Bestellprozess per Direktlink in den Shop sogar stabil und ohne Wartezeit machbar.

Immer wieder wurden auch X-Mas Tickets freigeschaltet, obwohl sie ab 0:20 Uhr offiziell als ausverkauft galten. Wie das sein kann? Es handelte sich um Karten, die zwar den Weg in Warenkörbe gefunden hatten, aber innerhalb der Reservierungsfrist nicht final gekauft wurden. Nach 10 Minuten ohne Abschluss wanderten diese Tickets automatisch in den Wiederverkauf.

Wenn man den auf hohem Niveau jammern möchte: Fürs nächste Jahr wären prominent platzierte Direktlinks zu den beiden Wacken-Kartenkategorien auf der Startseite von Metaltix.com wünschenswert. Schliesslich dürften es sich bei 95 Prozent aller Bestellungen am heutigen Tag um Wacken-Karten gehandelt haben.

45000 Karten in 90 Minuten

Ohne die traditionelle Downtime nach 0 Uhr verlief die Startphase des Vorverkaufs nochmal wesentlich fulminanter an als im Vorjahr. Nach 20 Minuten waren die X-Mas Pakete weg, die 45000er Marke wurde laut Organisatoren gegen 1:30 Uhr durchbrochen. Bis dahin hatten minütlich im Schnitt 500 Dauerkarten pro Minute den Besitzer gewechselt.
Die letzten 30000 Karten sollten ein wenig länger Bestand haben. Gegen 22 Uhr sind nun allerdings auch die letzten Dauerkarten vergeben, der Ausverkauf da.
An den letzten 10000 Karten hat man 14 Stunden verkauft – vielleicht eine zarte Andeutung, dass zukünftige Preiserhöhungen die Verkaufsphase auch mal wieder über die 24 Stunden Grenze katapultieren könnten.

Auch wenn die Nachfrage auf den letzten Metern etwas ausdünnte: Letztlich war der Wacken Vorverkauf wieder eine absolute Demonstration der Stärke. Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: In 22 Stunden hat das Festival von seinen Besuchern 14,15 Million Euro eingesammelt.

Optionen für Leerausgänger

Noch ist nichts verloren und der Grau/Schwarzmarkt nicht die einzige Option.
Wie jedes Jahr wird es auch heuer Rückläufer wegen doppelter Bestellungen und Stornierungen auf Grund nicht eingegangener Zahlungen geben. Im letzten Jahr richtete das Wacken für Interessenten solcher Remittenden online eine Warteliste ein. Es ist davon auszugehen, dass dies wieder geschehen wird.
Später im Jahr wird man seine nicht benötigten Tickets auf wacken.com in der Kartentauschbörse abstossen können. Zum aufgedruckten Preis, versteht sich.

 

Wacken 2016
Termin: 04.08. – 06.08.2016
Tickets: ausverkauft!
Bands: Blind Guardian, Ministry, Steel Panther, Eluveitie, Dragonforce, Callejon, Axel Rudi Pell, Legion of the Damned, Orden Ogan, Orphaned Land, Borknagar, Eskimo Callboy, Henry Rollins (Spoken Word), Therion, Unisonic, Kylesa, Pyogenesis

2 KOMMENTARE

  1. Trotzdem zahlt man für ein RAR Ticket 160€ und das finde ich schon echt unverschämt. Natürlich kann man so rechnen, dass jede Band einzeln teurer wäre, aber ich bezweifel mal stark dass man sich 100% Line up anschauen mag.

  2. Doppelbestellungen / Preis usw.

    Ist der Preis wirklich unverschämt? Kann der Veranstalter machen was er will? Nein, ich denke nicht. Allerdings gelingt es Wacken jedes Jahr ein fantastisches Festival auf die Füße zu stellen. Den Reiz machen dabei garnicht Headliner wie z.B. die Scorpions aus. Wenn ich die sehen will, gehe ich direkt zum Konzert. Aufsteigende Bands ohne den ganz großen Namen – das sind aus meiner Sicht die echten Zugpferde.

    Zum Thema Doppelbestellungen: Ja, ich habe auch doppelt bestellt und die Server liefen die ganze Zeit astrein. Die ersten Tickets waren um 0:06 Uhr bereits bestätigt. Ich habe rund 800 km Anfahrt und werde mit Sicherheit mit Freunden kommen, auch wenn ich jetzt noch nicht weiß, wer mitkommt. Das ist der Nachteil, wenn so lange im Voraus gekauft werden muss, dann kauft man halt auf Vorrat. Sollte sich bis Weihnachten niemand gefunden haben der mit will, nun, dann werde ich die Tickets einfach bei unserer örtlichen Vorverkaufsstelle anbieten. Ich bin mir sicher, das die dort innerhalb von 2 Tagen weg sind.

    Und was die Preise betrifft: Würde ich mir die Bands die ich sehen will einzeln in einem Konzert ansehen, wären die Preise durchaus höher. Der includierte Campingplatz mit Duschen macht darüber hinaus einen zusätzlichen Vorteil aus. Zum Vergleich – für das ACDC-Konzert in München wurden für die rund 2,5 Stunden schonmal 100 Euro pro Karte fällig. Was ist dann bitte an 3 Tagen für 200 Euro mit zig Bands verwerflich? Ja, ich werde mir das Festival definitiv nicht jedes Jahr leisten (können); aber ist das entscheidend für die erbrachte Leistung von Wacken?

    Ihr nennt für Wacken einen Umsatz von rund 14 Mio. Euro aus Ticketerlösen. Schätzen wir mal rund 1 Mio zusätzlich aus den übrigen Geschäftsaktivitäten, dann wäre für Wacken ein Gesamtumsatz von 15 Mio. wahrscheinlich. Bekannt ist das Betriebsergebnis von rund 833.000 Euro in 2013. Das wären also rund 5,3 % Nettoergebnis nach Steuern. Oder anders gesagt – pro Festivalbesucher macht das Unternehmen rund 11 Euro Reingewinn (833.000 / 75.000). Wohlgemerkt – inklusiv allen zusätzlichen Einnahmen, z.B. aus der Fanmeile und dem Imbiss usw.

    Ja, es ist eine Milchmädchenrechnung, da man noch in anderen Aktivitäten mitmischt, die mit Sicherheit nicht alle Gewinn bringen. Aber selbst wenn der durschnittliche Gewinn pro Ticket vom WOA rund 30 Euro betragen würde – wäre das verwerflich?

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