Liebes Open Flair, wir müssen reden. Vor 31 Jahren warst du noch klein, fein und unbekannt. Heute bist du zwar noch fein, aber nicht mehr klein und unbekannt. Du schaffst es jedes Jahr aufs Neue, 20.000 Flairrückte nach Eschwege zu locken, aber wie machst du das? Deine Tricks sind zugegebener Maßen nicht geheim, denn dein Veranstalter steckt sehr viel Herzblut und Energie in dich, stellt dir auch in schwierigen Jahren das bestmögliche LineUp für ein Festival deiner Größe zusammen und gewinnt somit seit Jahren mehr Vertrauen seiner Gäste.

Das Wetter

Ein Traum. Die Sonne schien fast ununterbrochen, bis auf ein paar Aussetzer. Der Himmel zog sich zusammen, das Thermometer sank auf angenehme 25 Grad Celsius, aber irgendwie kam keine richtige Abkühlung. Kurz danach wurde es wieder heiß – sogar zu heiß. Mit der Zeit gewöhnte man sich aber auch an die Wärme, da es mehr oder weniger durch überteuertes Trockeneis Abkühlung gab. Das wohl ungewöhnlichste Phänomen in diesem Jahr ist mir aber bisweilen immer noch ein Rätsel. Vielleicht erinnern sich ein paar von euch an die Windhose, die quer über den Campingplatz fegte und mehrere Camps mitnahm. Verrückt.

Die Anreise 

Ich wollte ursprünglich erst am Mittwoch anreisen, sah jedoch schon Tage vorher, wie sich der Campingplatz füllte. Unser Camp bestand letztlich aus einem Dutzend festivalerfahrenen Campern und Neulingen. Ich ging also frohen Mutes am Dienstag zum Campingplatz Check-In, da ich vorher mit der Presseakkreditierung alles klärte. Die Schlange war Gott sei Dank nicht so lang, nach einer halben Stunde stand ich vorne und wurde prompt wieder weggeschickt. Die Mitarbeiter wussten alle nicht so richtig wohin mit mir. Erst nachdem ich den Wunsch äußerte, mal mit einem aus dem Büro zu sprechen, nahm eine Mitarbeiterin ihr Funkgerät und fragte nach. Ich wurde ins Lagerbüro geschickt und von dort aus zur Sonderkasse. Keiner wusste, wohin mit mir. Also wieder ab zum Lagerbüro, wo man mich dann einfach auf den Campingplatz lies. Erst am Mittwoch wurde ich gebändelt und erhielt meinen Pass. Das hatte ich mir anders vorgestellt, bei anderen Pressevertretern hat es ja auch geklappt. Schwamm drüber, denn ab Mittwoch ging’s erst richtig los.

Was ist mit Eschwege los?

Seit nun drei Jahrzehnten findet das Open Flair Festival auf dem Werdchen in Eschwege statt. Im Nachbericht für 2014 erwähnte ich, dass ich es großartig finde, dass man sich ständig weiterentwickelt. Ich bin immer noch der gleichen Meinung – völlig gleich bei welchem Festival. Das Open Flair hat dieses Jahr ein paar Neuerungen eingebaut, wie zum Beispiel ein zweites Übertragungsscreen links neben der Freibühne, der während eine Band auf der Hr-3 Bühne spielt, das Konzert übertragen kann. Besonders auffallend in diesem Jahr waren auch die überallvertretenden-Fritz-Kola-Menschen.

Die Künstler…

Foto: Harald Sagawe
K.I.Z., Foto: Harald Sagawe

Klar, die Headliner waren für die Meisten unter euch Pflicht. Beatsteaks, Kraftklub, Marteria, Dropkick Murphys, Farin Urlaub Racing Team, Katzenjammer und K.I.Z. Für mich ging es erst am Donnerstag auf zur Seebühne. Liedfett, The Adicts und die Murphys. Bis auf The Adicts standen die genannten Bands auf meiner To-Do-Liste, aber auch die waren schnell dabei. Wer bei den Dropkick Murphys ganz vorne mit dabei war, der kann froh sein, wenn er seine Schuhe noch besitzt, denn die lagen nach dem Konzert kurzweilig zur Genüge umher. Am Freitag ging es dann so richtig los. Seit der Bestätigung der Smith Street Band für das Open Flair, bin ich ein Fan. Bei eben diesen haben sie mich auch überzeugt und warm gemacht, bevor es zu K.I.Z. ging.

Foto: Mario Albrecht
Beatsteaks, Foto: Mario Albrecht

Nach dem eher runtergespielten Konzert hatte ich – aus mir unerklärlichen Gründen – keine Stimme mehr. Leider konnte ich dann bei den Beatsteaks, denen man im Gegensatz zu den vier obigen Jungs anmerkte, dass sie extremst Bock hatten und während der Show immer mehr bekamen, nicht mehr so mit gröhlen, wie die Masse. Liebe Beatsteaks, it was trotzdem fantastic!

Open Flair 2015 Samstag, Künstler, Donots
Donots, Foto: Harald Sagawe

Am Samstag begann schließlich der völlige Abriss. Ich stiefel mit meiner halben Mädchenstimme zu den Donots und war platt. Die Show vor zwei Jahren war schon krass, aber die 2015er liebe Donots, das war Oberklasse! Vielleicht liegts ja am Nachwuchs:-) Ich ging also zurück zum Campingplatz, mit der Hoffnung, dass sich meine Stimme ein bisschen erholt. Was soll ich sagen? Dem war natürlich nicht so, beste Voraussetzung für Kraftklub.

Foto: Stefan Holtzem
Kraftklub, Foto: Stefan Holtzem

War aber irgendwie auch nicht schlimm, denn ich hatte das Gefühl, dass keiner von den vielen Tausend, die um mich standen, noch eine kräftige Stimme hatten. Die Show war aber auch geil. Die Chemnitzer Jungs konnten sich selbst kaum träumen lassen, dass sie einmal als Headliner auf dem Open Flair Flair in Eschwege spielen würden. Festivalchef Alexander Feiertag betont, dass Kraftklub mit dem Open Flair groß geworden sind. Das anschließende mega Feuerwerk war der Kracher! Doch vor Kraftlub kam noch ein von mir sehr geschätzter Musiker, Olli Schulz. Manche Reaktionen zur Bestätigung von Olli waren grandios. „Was? Der Komikerfutzi kommt aufs Flair? Bringt er wenigstens Joko und Klaas mit?“. Dafür, dass er als TV-Entertainer bekannt ist, war seine Show mehr als gut besucht. Das Seebühnen Gelände war gut gefüllt, was mich allerdings bei Olli Schulz nicht verwundert. Hut ab!

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Marteria, Foto: Mario Albrecht

Am Sonntag wollte ich gar nicht so viele Künstler sehen, lediglich das FURT und Marteria. Zu Farin Urlaub brauch man nicht viel sagen, denn der Mann ist und hat einfach Klasse, ebenso wie sein Racing Team. Der Abschlussknaller war Marteria. „Mein erstes Mal Open Flair – wir kommen wieder, versprochen!“, so verabschiedete sich der Rostocker mehrmals. Ich hatte den Eindruck, dass er sichtlich vom Open Flair überrascht war. Marten hatte sich bestimmt ein kleines Familienfestival vorgestellt, doch das Gegenteil stellte sich heraus. Das Publikum flippte in alle Richtungen aus, machte das was dieser großartige Künstler vorne auf der Bühne tat.

Foto: Mario Albrecht
Marsimoto, Foto: Mario Albrecht

Dann kam, wie erwartet, sein Kumpel Marsimoto noch auf die Bühne. Stolze fünf Songs spielte er während das Green Open Flair austickte. Danach kam wieder Marteria und spielte noch ein paar Songs. Er selber war permanent begeistert, was in dem Publikum des Open Flairs steckt. Am Ende seiner Show ging er von der Bühne. Alle warteten gespannt, dass er eine Zugabe gibt. Nichts tat sich, dann hörte man für einen kurzen Moment einen Marsibeat. Kurz darauf ertönte seine Stimme „Leute, wir müssen abbrechen!“. Lieber Marteria, wir warten auf die Zugabe in den kommenden Jahren!

 Was sonst noch?

Habe ich schon erwähnt, dass das Open Flair die geilste Security hat, die ein Festival oder eine Veranstaltung je haben könnte? Nicht? Ihr seid geil! Im letzten Jahr habe ich die Security schon gesondert gelobt, in diesem Jahr hab ichs wieder vor. Bleibt so wie ihr seid, kommt nächstes Jahr wieder und habt genauso viel Spaß bei eurer Arbeit wie in den vergangenen Jahren!

Liebes Open Flair, ich hoffe, mein kleiner Liebesbrief an dich zaubert dir ein Lächeln ins Gesicht! Wir sehen uns!

Falls ihr Lust auf mehr Bilder habt, schaut doch einfach mal in der Open Flair Flickr Galierie nach.