Es gibt Ereignisse, die sind so absurd, dass man sich einfach nicht entscheiden kann, ob das ganze jetzt unfassbar peinlich oder absolut fantastisch ist. Dieser Abend ist genau so einer.

Weezer spielen heute im Reunion Park in Dallas, Texas, im Rahmen einer von der Stadt Dallas mitveranstalteten Konzertreihe. 33 Grad, pralle Sonne, null Schatten auf dem Konzertgelände. Und ein Vorprogramm das mit dem Prädikat „Was zur Hölle?!“ bezeichnet werden könnte. Wo es bei den Vorbands Trombone Shorty und Fitz And The Tantrums vielleicht noch auf den persönlichen Geschmack ankommt, ist der Rest durchaus mit absurd zu beurteilen. Ein DJ, auf einem extra Pult, neben der Bühne positioniert legt zwischen den Bands in voller Konzertlautstärke Musik auf, die nichtmal in der übelsten Malle-Disco bei einem Grundpegel von 3 Promille gefallen fände. Vor allem der Dubstep Remix von Hotel California will mir einfach nicht in bzw. aus den Schädel gehen.

Als dann noch der Bürgermeister von Dallas eine ziemlich wirre Rede hält, in deren Anschluss ein Feuerwerk zu den Klängen der amerikanischen Nationalhymne abgefeuert wird, ist der einzige Gedanke den ich noch fassen kann „’MURRICA, FUCK YEAH!“ Bei dem ganzen Trubel hier könnte man fast vergessen, dass hier ein Weezer Konzert stattfinden soll. Aber nur fast.

Ohne großes Intro betritt die Band die Bühne. Ein bisschen Gitarrengeschrebbel, welches sich kurze Zeit später in das unverwechselbare Intro des wohl besten Album-/Konzertopeners aller Zeiten auflöst: My Name Is Jonas. Ein Jubelschrei durchzieht das Publikum und die Hände werden in die Luft gerissen. Das geht ja gut los. Frontmann Rivers Cuomo schmeißt gefühlt sein gesamtes Körpergewicht in jeden einzelnen Powerchord und schreit seine nie gealterte Stimme in das Mikrofon. „The workers are going home!“, doch das Publikum denkt noch lange nicht daran.

Weezer, die Band die wohl den Weg für alle heutigen alternative Rockbands geebnet hat. Keine Band wird öfter als Inspiration und Vorbild von Bands genannt als sie. Sie haben das seltene Kunststück geschafft, gleich zu Beginn ihrer Karriere zwei absolute Meisterwerke zu veröffentlichen: Blue und Pinkerton sind bis heute unerreicht und finden auch in der heutigen Setlist den angemessenen Platz. Doch auch das aktuelle Album Everything Will Be Alright In The End findet nach langer Durststrecke eher bescheidener Veröffentlichungen endlich wieder einen Platz im Fanherz. Die Vorabsingle Back To The Shack sowie der wohl beste Song der Platte Eulogy For A Rock Band, der übrigens gar nicht auf der Setlist stand und spontan eingeschoben wurde, finden so am heutigen Abend ebenfalls den Weg in den Gehörgang der Fans. Die Spielfreude ist riesig, die Band tauscht immer wieder hocherfreute Blicke auf der Bühne aus. Rivers Cuomo veröffentlicht kurz nach dem Konzert einen Tweet auf seinem Twitteraccount der den ganzen Abend eigentlich ziemlich gut zusammenfasst. „Weezer was sooooo good tonight!“. Absolut, denn die Band tauscht auch einfach mal, mitten im Konzert aus purer Lust den Sänger aus. So kommt es, dass Bassist Scott auf einmal Dope Nose ins Mikrofon schmettern darf, während sich Rivers darauf konzentriert wie wild mit seiner Gitarre jeden Winkel der Bühne zu erforschen und dabei trotzdem jede einzelne Note zu treffen.

Selbst Memories, eine der grausamsten Singles die diese Band jemals veröffentlicht hat, klingt heute Abend einfach mal richtig gut. Nur Beverly Hills ist und bleibt schrecklich. Da kann auch die heutige Spielfreude nichts dran ändern. Klar, abgeschlossen wird mit Buddy Holly. Da darf jeder nochmal die Uh Uh’s und Oh Oh’s mitsingen bevor die Band unter riesigem Jubel die Bühne verlässt.

Das war ein spaßíger Ritt und zeigte, dass auch Helden der 90er ihre Qualität bis in die heutige Zeit tragen können.