Warum lassen sich Orte wie Mendig, Wacken, Scheeßel und Co. eigentlich jedes Jahr wieder auf schlammige Bürgersteige oder leer gekaufte Supermärkte ein? Geld wird da wohl definitiv eine Rolle spielen. Am Beispiel von Mendig, dieses Jahr erstmalig Gastgeber von Rock am Ring, werden wir konkrete Zahlen nennen und darüber hinaus weitere positive Auswirkungen eines gastgebenden Dorfes andeuten.

So ein Großfestival ist Millionengeschäft: 18,5 Millionen Euro Ausgaben investierte MLK in die Premiere in Mendig. Und auch wenn, bei aller Booking-Konkurrenz zur DEAG und Mehrkosten aufgrund des Standortwechsels, in diesem Jahr am Ende ein Verlust von 400.000 Euro stand, lässt sich mit Festivals mit Rock am Ring ordentlich Geld machen. Und um mitverdienen zu können, kooperieren viele Orte gerne:

Aus einer vor kurzem veröffentlichten Kosten- und Nutzenaufstellung geht hervor, dass Mendig über 350.000€ in das Rock am Ring Festival 2015 investierte. Darunter fielen Kosten für Personalausgaben, Ordnungsangelegenheiten und Ausgaben für freiwillige Maßnahmen. Demgegenüber stehen ungefähr 124.000€ Einnahmen, was erst einmal wenig erscheinen mag, doch muss bedacht werden, dass für alle Einnahmen nicht unbedingt konkrete Zahlen vorliegen. Zum Beispiel hat Mendig durch das Festival eine um 70% gesteigerte Übernachtungszahl von Februar bis Juni feststellen können. Der Bürgermeister Lempertz erläutert diese Einnahmen, indem er eine Statistik des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr an der Universität München für den Kreis Mayen Koblenz zitiert, aus der hervorgeht, dass Tages- oder Übernachtungsgäste eines Ortes zwischen 25€ und 93€ pro Person und Tag/Übernachtung in der besuchten Region ausgeben. Langsam wird also klarer, was eine Großveranstaltung wie Rock am Ring wirklich für eine Region bedeutet: gesteigerte Attraktivität auf unterschiedlichen Stufen, was sich schon an der vierfach gesteigerten Zahl der Homepageaufrufe der Verbandsgemeinde Mendig sehen lässt, die übrigens einen eigenen Reiter für das Rock am Ring Festival hat. Für das Festival und den Veranstalter Marek Lieberberg hatte der Standortwechsel im ersten Jahr erst mal eher weniger gute Auswirkungen in finanzieller Sicht: 18,5 Millionen Euro wurden von MLK in das Festival investiert und ein Gewinn konnte nicht erzielt werden. Wie schon berichtet musste MLK sogar Verluste von über 400.000€ einstecken, die Lieberberg allerdings nicht überraschten, da bei einem Standortwechsel nichts anderes zu erwarten gewesen sei.

Doch sollte bei den Einnahmen nicht nur groß gedacht werden. Das Dorf Wacken ist zum Beispiel bekannt dafür, dass sich die Kinder des Dorfes während des Wacken Open Airs jährlich ein paar Euros dazu verdienen, indem sie mit ihren Bollerwagen die Bierpaletten der Metal-Fans transportieren. Einmal im Jahr ist mal so richtig was los in den Festival-Dörfern Deutschlands und Jugendliche helfen gerne und bekommen dafür oft freien Eintritt zu den Festivals. Gastronomiebetriebe und Supermärkte erleben Einnahmen wie sonst nie im Jahr und selbst Sparkassen profitieren durch Geldautomaten auf den Festivals oder am Beispiel Wacken durch spezielle Wacken-Kreditkarten. Bei all diesen positiven Auswirkungen räumt doch bestimmt jeder Einwohner gerne die leeren Bierdosen aus dem Garten oder kauft sicherheitshalber ein Wochenende vorher auf Vorrat ein. Naja, wahrscheinlich fast jeder.