Es gibt sie, die Lieblingsbands, die man in den Arm nehmen möchte und festhalten, damit sie möglichst für immer so bleiben, wie sie sind. Bloc Party sind so ein Fall. Das „Silent Alarm“ und „A Weekend in the City“ Bloc Party, um genauer zu sein. Dass das Festhalten zum Scheitern verurteilt ist, und vielleicht auch gar nicht so viel Sinn macht, sieht man dann aber schnell, wenn da plötzlich zwei neue Bandmitglieder auf der Bühne stehen. Ein Rückblick auf das Konzert im Astra Kulturhaus. 

Das erste, was man vom neuen Bloc Party mitbekommt, ist dröhnender Bass. Dröhnender Bass von „Eden“, das die Band vor einigen Monaten, erstmals in neuer Besetzung spielend, präsentierte. Ein neues Album wird kommen, hieß es damals. Gründungsmitglieder Matt Tong am Schlagzeug und Gordon Moakes seien raus, Justin Harris und Louise Bartle treten an ihren Platz. Und das neue Album? Laut Selbstbeschreibung elektronischer.

Was gab es an Trubel, über die letzten Jahre hinweg: Keles Solodebut „The Boxer“ hatte mit dem, was Fans an Bloc Party schätzen, nicht viel gemein. Dazu: Bandhickhack. Gerüchte über eine Trennung, allerlei merkwürdige Social-Media-Eskapaden. 2012 schließlich doch noch ein gemeinsames Album, in Orginalbesetzung („Four“). „Octopus“ heißt eines der Lieder davon und folgt direkt auf den Konzert-Auftakt. Aber es gilt, das Konzert richtig in Gang zu bringen: Das macht die Band mit „Hunting for Witches“ vom großartigen „A Weekend in the City“-Album. Rekapitulationsphase eins zur Bandgeschichte abgeschlossen, ausflippen angesagt. Das Publikum macht mit, und so soll das den ganzen Abend gehen, wenn die Hits aufgespielt werden.

Eher verhalten sind dagegen die Reaktionen auf das, was die Band unter dem Namen „HYMNS“ im Januar 2016 veröffentlichen wird. Sie präsentieren einiges davon: noch elektronischer, basslastig, und noch nicht so wirklich greifbar. Immerhin: Die vorveröffentlichte Single „The Love Within“ funktioniert live. Reißt mit, zu Start des ersten Zugabenblocks. Mit einem Bühnenbild, in dem sich bunt-gedämpfte Lichter durch den Nebel schneiden und an das „HYMNS“-Albumcover erinnern.

Bloc Party Astra Berlin

Und was bereitet es eine Freude, Kele auf der Bühne tanzen zu sehen. Zu hören, wie er seine Geschichten erzählt mit der Bandbreite seiner Stimme. Hach. Fanboymodus. Ein Indieparty-Tanzflächen-Modus. Erinnerungen an die Freude über ein aufgelegtes „Banquet“ oder „Helicopter“ im Club. Millionenfach einzigartig erlebt. Bei vielen sind es wohl die Erinnerungen genau daran, die sich beim Konzert in einer Tanzwut entladen, die den Boden ein wenig zittern lässt. Dass da der Wunsch aufkommt, dass alles so bleibt? Geschenkt. Dass sich eine Band über die Jahre hin verändert, persönlich und musikalisch, ist aber ebenso klar. Und die neuen Lieder werden die Leute mit neuen Geschichten verbinden. Aber auf einem Konzert, zum Ende der Zugabe nochmals Lieder wie „Helicopter“, „This Modern Love“, und das offenbar spontan angehängte „She’s Hearing Voices“ vom „Silent Alarm“-Debüt zu hören, ist schon auch sehr schön. Neubesetzung hin oder her.