Was sind z.B Slipknot ohne ihre Bühnenoutfits? Nur „normale“ Musiker, würde so manch einer sagen. Doch die oft aufwendigen Outfits benötigen natürlich auch Pflege. Denn kaum ein Künstler hätte großen Spaß daran, dreckig und stinkend auf einer Bühne zu stehen. Genau dieses Anliegen hat bereits vor Jahren ein Mann erkannt und eine Marktlücke entdeckt: Hans-Jürgen Topf aus Ludwigshafen. Er ist inzwischen weltweit im Musikbereich so etwas wie „der Mann mit der Wäschetrommel“. Festivalisten.de hatte Hans-Jürgen für ein Interview am Telefon.

Hans-Jürgen Topf
Hans-Jürgen Topf

Festivalisten.de: Ich denke, die Frage wurde Dir schon oft gestellt. Aber wie bist du zum „Waschbären“ der großen und kleinen Stars geworden?

Hans-Jürgen Topf: Es war ein Zufallsprodukt. Ich habe als junger Bursche gleich nach dem Abitur in der Wäscherei meiner Eltern gejobbt. An der Arbeit habe ich mit der Zeit Gefallen gefunden und bin dann eigentlich hängen geblieben. Durch Zufall habe ich 1982 beim Ausliefern der Wäsche an einer roten Ampel einen Tourbus getroffen, der sich verfahren hatte. Es war die Produktion von Ted Nugent. Den habe ich dann in die entsprechende Halle gelotst, in die Eberthalle in Ludwigshafen. Das hat ihnen natürlich sehr geholfen, und dafür habe ich dann Freikarten bekommen. Dafür wiederum habe ich dem Produktionsleiter kostenlos die Wäsche gewaschen. Und der Produktionsleiter, es war der Steven Fortney, meinte dann: „Biete so etwas doch auch anderen Bands an. Das ist ein Service, den jede Band gebrauchen kann.“ Denn in den 80ern war es für Bands auf Tour oft schon ein großes Problem, etwas gewaschen zu bekommen. Und Steve brachte mich auch auf die Idee, meine Firma RockN Roll Laundry zu nennen. Den Namen habe ich mir sofort schützen lassen. Und seit 1982 mache ich das nun schon.

Festivalisten.de: Der Start lief gut?

Hans-Jürgen Topf: Ja, er war richtig geil. Drei Tage später waren Meat Loaf in der Stadt. Ich bin einfach wieder zur Halle gefahren, habe mich am Backstage-Eingang hingestellt und die Leute gefragt, ob die was zu waschen hatten. Ohne Geld, für Freikarten. Naja ,und dann kam da die Wäsche, und ich konnte mir mit meiner Freundin, seit 40 Jahren meine Ehefrau, die Show angucken. Eine Woche später kamen die Scorpions und ich habe das gleich wieder versucht. Und es hat auch diesmal geklappt. Als junger Bursche fand ich es natürlich endgeil, mir kostenlos Konzerte angucken zu können und dafür einfach nur etwas Wäsche waschen zu müssen.

Über die Jahre hat sich alles dann etwas ausgeweitet, über die Grenzen von Ludwigshafen hinaus. Es ging nach Mannheim, Frankfurt, Stuttgart , Karlsruhe. Und dann, irgendwann kurz vor den 2000ern, hatte ich die ersten Anfragen, Touren in Deutschland zu begleiten. Meine erste Tourband waren die Bee Gees. Da bin ich dann mit Waschmaschinen mitgefahren und habe dann auch schon angefangen Handtücher zu vermieten. Heute betreuen wir auch so große Produktionen wie z.B. Madonna oder U2. Und das inzwischen weltweit. Mit Waschtechnik und zum Teil auch mit Handtüchern.

Festivalisten.de: Gibt es auch besondere Geschichten, die Du während deiner Tätigkeit als „Herr an der Wäschetrommel“ erlebt hast?

Hans-Jürgen Topf: Ich habe eigentlich schon eine ganze Menge besonderer Geschichten erlebt. Viele davon habe ich auch in meinen Buch beschrieben, das 2009 beim Kunstanstifter-Verlag veröffentlicht wurde. Das Buch heißt Das rockige Waschbuch. Da kann man u.a einige Storys lesen und halt auch lernen, wie man richtig wäscht. Z.B: Welche Waschmaschine ist die richtige für mich? Oder: Wie gehen Spermaflecken raus?

Festivalisten.de: Du bist, wie man auf deiner Webseite sehen kann, viel unterwegs. Hast Du auch einmal Zeit ein Festival bzw. Konzert zu genießen, oder arbeitest Du nonstop?

Hans-Jürgen Topf: Im Prinzip ist es ja so, dass ich oft eine Tour fahre, z.B Beyonce. Und da bin ich da schon manchmal ein halbes Jahr mit ihr unterwegs. Und es kommt vor, dass ich in dieser Zeit wirklich nur 2 Lieder von ihr live sehen kann. So etwas gibt es.

Auf der anderen Seite, wenn die großen Festivals sind, wie z.B. Rock am Ring, Hurricane, Southside oder Novarock, sind wir ja als Dienstleister für alle unterwegs. Wir müssen 24 Stunden die Wäscherei offen halten und müssen tausende von Handtüchern verwalten und für die Bands bereit halten. Auf der Bühne oder backstage. Schwarze Handtücher für die Bühne, Badetücher für die Crew oder große Dusch- oder Badetücher für die Künstler. Da hat man dann wenig Zeit zu gucken.

Es kommt aber auch vor, dass man sich eine Lieblingsband raussucht, z.B. ACDC oder Ozzy Osbourne, der ja mit Black Sabbath wieder unterwegs ist, Die halbe oder ganze Stunde nehme ich mir dann und gönne sie mir. Insgesamt ist es aber ein sehr zeitintensiver Job und auch ein Knochenjob. Du darfst es nicht unterschätzen, wenn du Festivals wie z.B RAR/RIP oder HU/SO hast. Dann hast du abends schon einmal tausende von Handtüchern an einem Wochenende zu bewegen. Wir reden hier von 2000 – 4000 Hand- und Badetüchern. Es sind wirklich Transporter voller Handtücher. Und davon kommen dann auch noch, wenn du Pech hast, 30% weg. Besonders wenn das Wetter scheiße ist. Da kommst du dann mit ca. 3000 hin und fährst, mit etwas Glück, mit 2000 wieder zurück.

Festivalisten.de: Gibt es auch so etwas wie Freundschaften mit Künstlern?

Hans-Jürgen Topf: Ja, es gibt natürlich auch „Lieblingskünstler“. Für einige von ihnen arbeite ich schon seit 35 Jahren. Einer davon ist Herbert Grönemeyer. Für den habe ich zunächst einmal Wäsche gewaschen und Handtücher vor für die Tournee bereit gestellt. Inzwischen bin ich zu seinem Garderobier geworden. Ich bin für seine gesamte Garderobe verantwortlich, aber auch für die seiner Band. Es ist schon eine große Aufgabe und ein verantwortungsvoller Job. Auch bei den Fantastischen Vier war ich Garderobier. Diese Aufgabe dort habe ich aber an meinen Sohn abgegeben.

Bei den beiden Letztgenannten kann man inzwischen schon von einem Duz-Verhältnis sprechen. Bei vielen internationalen Stars wie Z.B. Madonna oder Beyonce verzichte ich eher auf ein Duzen. Auch zu Gruppen wie U2 ist das Verhältnis schon etwas distanzierter. Für die bin ich nur der Wäscher. Ich fahre die Touren eben mit, und das war´s. Mein Job ist das Wäschewaschen, fertig aus. Und da kommt auch kein Künstler in meiner Wäscherei vorbei. Bei den Fantas oder Herbert steht man oft ganz nah dran, weil da die Wäschetrommel manchmal in der Dusche steht. Und so kommt man halt ins Gespräch. Aber insgesamt ist alles halt in erster Linie Arbeit. Und das darf man nie vergessen. Ich bin eben dort um zum arbeiten und nicht um Spaß zu haben.

Festivalisten.de: Sind die internationalen Stars insgesamt distanzierter als die Deutschen?

Hans-Jürgen Topf: Das würde ich nicht sagen. Aber ob national oder international, das ist schon ein Unterschied, Wenn mich eine große Tournee bucht, wie z.B. U2, ist das oft eine Welttour. Dann geht es schon einmal auch nach Australien oder nach Südamerika. Aber egal wo: Mein Job ist immer klar definiert: Topf, bediene die Waschmaschine. Bau sie morgens auf, wasch den ganzen Tag und baue sie abends wieder ab. Und: Sorge dafür, dass sie ordentliche Leistung bringt. That´s it. Ich glaube, dass ich die einzigste Wäscherei bin, die schon einmal auf allen Kontinenten gewaschen hat. Die Antarktis habe ich aber noch nicht geschafft. Da muss ich unbedingt noch hin.

Festivalisten: Was war das Dreckigste, was Du je waschen musstest? Und: Wie hast Du die Sachen wieder sauber bekommen?

Hans-Jürgen Topf: Das Dreckigste, was ich je bekommen habe, war von Slipknot. Das war vor ca. 10 Jahren beim Rock am Ring. Die kamen gerade von einem Festival aus Schweden, wo sie auf der Bühne ihre schwarzen Overalls getragen hatten. Sie hatten etwas viel Kunstblut auf ihren Sachen, und die Wäsche war intensiv getränkt mit verschüttetem Bier. Nach dem Konzert wurden die Klamotten in einen blauen Sack gesteckt und auf einen Lkw geworfen, der dann drei Tage lang unterwegs war. Die Sachen sahen, als sie dann schließlich ankamen, aus wie Hund. Das Ganze hat gerochen wie geronnene Sahne und das verschüttete Bier entwickelte auch ein ekelhaftes Aroma. Nachdem ich den Sack geöffnet hatte, sind die Overalls quasi alleine in die Waschmaschine gegangen. Aber auch das haben wir wieder hinbekommen. Mit einem ordentlichen Waschprogramm auf 60 *C, einer schönen Vorwäsche und ordentlich Waschmittel und Bleiche rein. Damit bekommst du auch Kunstblut und Farbe weg. Und hinterher standen die Jungens wie frisch lackiert wieder auf der Bühne.

Festivalisten: Wie viele Tage im Jahr bist du auf Festivals und Konzerten?

Hans-Jürgen Topf: Das ist ganz unterschiedlich. Ich hatte schon Jahre, in denen ich 200 Tage unterwegs war. Aber es gibt auch Jahre, wo ich „nur“ 50 Tage unterwegs bin. Grundsätzlich geht es darum, ob es große Produktion sind, mit denen ich unterwegs bin, und wo ich die Produktionsleiter kenne, die mich dann buchen wollen, damit sie das Leben leichter haben auf Tour. Wenn Herbert oder die Fantas unterwegs sind, hast du ein paar Wochen, die du unterwegs bist. Aber die sind nicht jedes Jahr unterwegs. Deswegen unterscheiden sich die Jahre. Im Moment habe ich eine ruhige Phase. September, Oktober, November, Dezember ist es für mich meist gemütlich, Gott sei Dank. Ich habe ja neben der „Rocknroll Laundry“ noch eine andere Wäscherei mit 38 Mitarbeitern. Da muss man sich auch mal drum kümmern, und ab und zu da sein.

Festivalisten: Vielen Dank Hans Jürgen für das Interview.