Mit den Niederschlagsmengen der letzten 14 Tage vor Augen und den Schlammlagunen anderer europäischer Junifestivals im Hinterkopf, greift FKP Scorpio beim Southside tief in die Tasche und zu einer drastischen Massnahme. Heute veröffentlichte Bilder zeigen: Das Bühnenareal wird erstmals grossflächig mit grobem Schotter überzogen. Zudem werden „Teile des Geländes … mit Bodenplatten ausgelegt„.

Unter dem Schotter breitet man eine Folie aus.
Grund: Nach dem Festival muss das Gestein wieder abgetragen, das Areal restauriert werden. Die definierte Grenzschicht vereinfacht das.

Das Hintergrundbild des Artikels zeigt übrigens den Zustand des Infields am Montag nach dem Festival im Jahr 2010. Damals hatte es fast das ganze Wochenende über geregnet und war zudem bitterkalt. Man stand bis zu 20cm tief im Schlamm.
Es war das erste und bislang einzige Mal, dass ich eine vorzeitige Abreise vom Southside ernsthaft in Erwägung zog.

Im Nachlauf des Southside 2010 wurde der Boden des Take Off Parks derart umstrukturiert, dass ähnliche Szenarien in den vergangenen Jahren nicht mehr vorkamen bzw. vorkommen konnten.

Wenn man also jetzt schon im Vorfeld zu einem drastischen Mittel wie der Aufschotterung greift, denkt man dabei sicher auch an das Wohl der Besucher. Die Vorsorgeaktion kommt auf Facebook gut an, ist löblich und sympathisch. Das Marketing freut sich über die Steilvorlage für positive Markenkommunikation.
Das ist aber nur ein Aspekt des Ganzen. Wirtschaftlich betrachtet kosten die Massnahmen jede Menge Profit. Nicht von ungefähr reagierte man in den letzten Jahren eigentlich immer erst während des laufenden Festivals auf entstehende Probleme – das dann allerdings extrem vorbildlich.
Deshalb gehe ich davon aus, dass die Kacke vor Ort schon jetzt dementsprechend am Dampfen ist und der Zusatzaufwand schlichtweg alternativlos, um nicht sehenden Auges unterzugehen.

Regen, Regen, Regen.

Ein Blick in die Regenhistorie Neuhausen ob Ecks lässt denn auch den eigentlichen Grund für diese teure, temporäre Bebauungsmassnahme erahnen: Allein in den letzten sieben Tagen sah sich der bereits aufgeweichte Boden des Take Off Parks mit rund 125 Litern Wasser pro Quadratmeter konfrontiert. Seit Ende Mai bekommt der Grund kaum mal einen Tag zum Verschnaufen. Seine Aufnahmekapazität dürfte längst erreicht sein. In Kombination mit den schweren Baufahrzeugen ergibt sich eine ungesunde, bräunlich-flüssige Mischung.

Maximal 15 Grad durchschnittlich in den letzten acht Tagen unterstützen eine oberflächliche Abtrockung der Pfützen durch Verdunstung natürlich kaum. Heisst: Das Wasser bleibt überwiegend da wo es ist.
Selbst ohne Pfützen neigt ein solcher Campinguntergrund dann zur Verschlammung, sobald tausende Menschen darüber laufen.

Kleidung, Zelt, Standort.

Kein Wunder also, dass die Veranstalter zu wasserfester Kleidung und Schuhwerk raten und vorsorglich auf längere Wartezeiten bei der Anreise einstimmen.

Ich rate Euch: Gummistiefel zumindest für die Anreise und den Campingplatz einpacken. Im Fall der Fälle werden sie lokal ausverkauft sein.
Mindestens genauso wichtig: Besorgt Euch ein wirklich wasserdichtes Zelt und unterfüttert den Zeltboden von aussen im Optimalfall nochmal mit einer stabilen, wasserundurchlässigen Plane. Die Campingplätze werden nämlich sicher nicht trockengelegt werden können.

Mein Zelt würde ich entweder direkt am Flugfeldasphalt aufschlagen, lückenlos an einem der mit Steinen befestigten Wege angrenzend oder als Alternative: etwas abseits – weg von zu Vermatschung neigenden Hauptverkehrsadern. Wenn möglich stelle es nicht in eine Senke oder einen Bereich, der schon morastig ist. Leicht gesagt, ich weiss. Viel Erfolg.

Southside 2016 Wetter: Besserung prognostiziert

Zum Abschluss noch ein Lichtblick: Ab Wochenanfang scheint sich in Neuhausen ob Eck wettertechnisch alles zum besseren zu wenden. Die Temperaturen sollen merklich steigen, der Regen weitestgehend aufhören.

Rosig scheinen gar die Aussichten fürs Festivalwochende: Bis zu 16 Sonnenstunden täglich und 30 Grad Tagesmaximum verspricht wetter.com in seiner 16-Tages-Prognose. Natürlich kann man die noch nicht wirklich ernst nehmen. Der Trend aber stimmt optimistisch.
Wir bleiben am Thema.

 

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