Unter dem Eindruck seines vorzeitig beendeten Rock am Ring Festivals und den unwettergeschundenen Open Airs Hurricane und Southside meldet sich Marek Lieberberg zu Wort. Man müsse damit rechnen, dass die Eintrittspreise sich in Zukunft noch weiter empfindlich verteuern werden. Dafür verantwortlich seien stetig steigende Vorsorge- und Schutzmassnahmen sowie Personalkosten.
Eigentlich ist der Einwurf unnötig, es sei denn Lieberberg plant einen massiven Preisschritt. Seit Jahren kennen die Kartenpreise nämlich nur einen Weg: den nach oben. Teilweise verteuern sich die Besuche unserer Lieblingsfestivals pro Jahr 10-15 Prozent. Zudem dürfte er viele verägern, die lieber etwas über eine Wiedergutmachung für 2016 hören würden.

Hurricane/Southside: 15-20 Million Euro Verlust

Am Wochenende musste das Southside schon im Laufe des ersten Tages wegen eines Unwetters historischen Ausmasses vorzeitig abgebrochen werden. Beim Hurricane fiel der Samstag flach, bis zum Sonntag allerdings hatte FKP Scorpio den Bühnenbereich des Eichenrings mit immensem Aufwand wieder trocken gelegt. Das 20jährige Jubiläum konnte fortgesetzt werden.
Finanziell werden die Aushängeschilder FKP Scorpios heuer zur Belastung. Am Southside hat man für die Aufschotterung des Infields schon vor dem Festival ausserplanmässig Geld in die Hand nehmen müssen. Mit 15-20 Million Euro Verlust rechnet der Firmenchef Folkert Koopmans bei Hurricane und Southside insgesamt. Die gute Nachricht für den Veranstalter: Einen Grossteil der Summe dürften nach zähen Verhandlungen letztlich Versicherungen begleichen.

Politik dürfte Auflagen weiter verschärfen

Nach der Loveparade-Katastrophe waren die Regelungen für Festivalveranstalter schon massiv verschärft worden. Angesichts der vielen Verletzten durch Unwetter dürften nervöse Politiker neue, kostenintensive Auflagen ersinnen. Die werden Geld kosten. Geld, dass die Besucher bezahlen sollen. Ob die Sponsoren auch ihren Teil dazu beitragen werden?

„Anhebung auf internationales Niveau“

Wie viel es in welchem Zeitraum tatsächlich teurer werden wird, lässt Lieberberg offen. Gut möglich aber, dass wir schon bald wissen, was Sache ist: Nämlich mit dem Vorverkaufsbeginn für Rock am Ring und Rock im Park 2017.
Für das günstigste Ticket zahlte man dieses Jahr bei Rock am Ring zwischen 170 und 200 Euro – je nachdem, wann man zugriff.

International gibt es günstigere und teurere Alternativen.
Zum Nova Rock nach Österreich fährt man schon ab 119 Euro. Das ist der Preis für die ersten Early Bird Karten. Später wird es teurer, nie aber so teuer wie bei Rock am Ring – trotz oftmals vergleichbarem Lineup.
Teuer als Rock am Ring sind durch die Bank die Engländer. Das Download kostet umgerechnet ab 245 Euro, Reading und Leeds verlangen für ihr Open Air kommenden August 260 Euro. Für das belgische, 4tägige Rock Werchter zahlt man etwa 240 Euro plus Gebühren. Fürs Zelten muss man nochmal 25 Euro draufschlagen. Wer ins Werchter investiert, kann sich dann aber auch sicher sein, nur die Sahnestücke der Saison serviert zu bekommen.
Für 190-230 Euro fährt man vier Tage zum Gurtenfestival in die Schweiz. Camping kostet knapp 20 Euro zusätzlich. Damit liegt es im Preisniveau leicht höher als Rock am Ring – bietet trotz längerer Laufzeit aber wesentlich weniger Bandauswahl.

Nur Alphatiere können Ticketpreise problemlos erhöhen

Lieberbergs Hinweis kommt meines Erachtens zum falschen Zeitpunkt. Schliesslich sind viele Fans noch genervt von erneuten Mängeln der Organisation, dem vorzeitigen Abbruch von Rock am Ring und dem Geld, das sie dadurch in den Wind geschossen haben. Vereinzelt fordern Festivalisten eine Rückzahlung von MLK. Viele weitere aber dürften darauf warten, dass MLK sich von selber auf sie zubewegt. So wie es Hurricane und Southside schon wenige Stunden nach Ende ihrer Festivals getan haben.
Ausserdem sind jährlich steigende Kartenpreise nun wahrlich keine Besonderheit.

Zudem bezieht sich Lieberberg sowieso eher auf die Alphas der Szene. Diejenigen Festivals also, die immer schon weit im Vorfeld ausverkauft sind bzw. mit einem Ausverkauf rechnen können, auch wenn der Kartenpreis jährlich um 10-15 Prozent steigt.
In Deutschland fallen unter diese Kategorie Rock am Ring bzw Rock im Park und das SonneMondSterne aus dem MLK-Portfolio sowie Hurricane und Southside von FKP Scorpio. Andere können es sich nicht bzw. nur unter hohem Risiko leisten nachzuziehen, es sei den die entsprechende Konkurrenz macht auch mit.

Möglicherweise ist sein jetziges Vorpreschen schlichtweg taktisches Kalkül und Zeichen eines bald anlaufenden Vorverkaufs für 2017. Für Besucher der diesjährigen Ausgabe könnte man die Tickets als „Entschädigung“ zum alten Preis anbieten. So würde MLK zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Den Frustrierten käme man entgegen, würde sie gleichzeitig an sich binden, und nebenbei setzt man noch eine fette Preiserhöhung um.

2 KOMMENTARE

  1. […] Festivalmarkt generell nichts neues: Marek Lieberberg kündigte für Rock am Ring an, dass die „Anhebung der Ticketpreise auf internationales Niveau […] nicht ausbleiben“ wird. Auch die Preise des Wacken Open Airs sind auf satte 210€ gestiegen und das erste Mal […]

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