Desert Trip: Große Namen, große Zahlen

An zwei Wochenenden im Oktober 2016 versammeln sich Rock-Legenden wie die Rolling Stones, Bob Dylan und The Who auf dem Gelände des Coachella-Festivals in Kalifornien, um das Debut des Desert-Trip-Festivals zu bespielen. Neben sehr hohen Ticketpreisen sollen auch der Gewinn des Festivals und die Gagen der Musiker nicht gerade klein ausfallen.

Dass man für Konzerte von Bands wie The Rolling Stones oder The Who tiefer in die Taschen greifen muss, ist nichts Neues. Und dass ein Festivalticket gerne mal 150€ kostet, kann auch niemanden mehr überraschen. Aber bei den Preisen des kalifornischen Desert-Trip-Festivals läuft es einem dann doch eiskalt den Rücken runter.

Wachsende Ticketpreise

Dabei sind steigende Ticketpreise auf einem umkämpften Festivalmarkt generell nichts neues: Marek Lieberberg kündigte für Rock am Ring an, dass die „Anhebung der Ticketpreise auf internationales Niveau […] nicht ausbleiben“ wird. Auch die Preise des Wacken Open Airs sind auf satte 210€ gestiegen und das erste Mal seit langem war das Festival nicht nach wenigen Stunden ausverkauft, was auch am Preis gelegen haben mag.

Auf dem Reeperbahn Festival thematisierte Michal Kašcák, unabhängiger Veranstalter des slowakischen Pohoda Festivals ein Problem, das mit steigenden Preisen zusammenhängt: Denn immer höhere Preise für Tickets würden das Klientel der Festivalbesucher hin zu Menschen mittleren Alters und Einkommens verändern. Die aktuelle Generation junger Festivalbesucher könnte also verloren gehen.

Neue Zielgruppen, neue Dimensionen

Umso interessanter ist der Ansatz Paul Tollets, auch Coachella-Veranstalter, ein Festival für eben jene Zielgruppe der älteren und besser verdienenden Menschen zu veranstalten. Aufhänger dafür ist das Line-up mit den größten Bands der 1960er und 1970er Jahre: The Rolling Stones, Bob Dylan und Band, Paul McCartney, Neil Young und Promise Of The Real, Roger Waters (Pink Floyd) und The Who.

Auch das Festivalgelände und die Erfahrung an sich sollen auf die Zielgruppe angepasst werden: Das heißt besseres Essen, Sitzplätze und auf keinen Fall Dixie-Toiletten. Das alles hat am Ende dann auch seinen Preis.

Tagestickets gibt es für umgerechnet knapp 180 Euro (199$), die Wochenendtickets starten bei knapp 360 Euro und enden bei unglaublichen 1400 Euro. Zelten kostet noch mal um die 90 Euro drauf, Camping im Wohnmobil verlangt 850 Euro und ein Tipi am See gibt es für stolze ~1400 Euro. Der Luxus hört natürlich nicht beim Essen auf, denn auch dort lassen sich hunderte Dollar für kulinarische Besonderheiten von Star-Köchen ausgeben.

Ein lukratives Geschäft

Noch bevor das Desert Trip überhaupt begonnen hat, gilt es als eines der lukrativsten Festivals in der Geschichte. Damit knüpft es an die finanzielle Erfolgsgeschichte des Coachella Festivals an, das im letzten Jahr alleine durch Ticketing 75 Millionen Euro einnahm und damit weltweit auf Platz 1 landete. Beim Desert Trip rechnet man bei der Premiere mit Gesamteinnahmen von 143 Millionen durch Ticketverkäufe, Camping, Essen und so weiter. Von Beginn an wurde das Marketing ganz groß aufgestellt: Anzeigen in Zeitungen in über 17 Ländern und ein Trailer, der in Kinos gespielt wurde, brachten so schnell Erfolg, dass ein zweites Wochenende hinzugefügt wurde.

Allein die Acts sollen Gagen von rund 6 Millionen Euro pro Show bekommen. Davon betroffen sind die Stones, Roger Waters und The Who. Hingegen sollen Bob Dylan, Neil Young und Paul McCartney „nur“ knapp 900.000 Euro kassieren. Übrigens: Die Macher hätten gerne noch Led Zeppelin im Line-up gehabt, doch selbst 12 Millionen Euro konnten die Band nicht zu einer Reunion bewegen. Wie viel an den Zahlen dran ist, weiß man natürlich nicht genau.

Bedeutung für Europa

US-Festivals wie Desert Trip haben auch jenseits des Wow-Effekts großer Namen im LineUp eine Bedeutung, auch für den Festivalmarkt Europas. In den letzten Jahren beispielsweise ärgerte das Firefly Festival des gleichen Veranstalters FKP Scorpio, weil es am gleichen Termin mit den beiden Flaggschiffen Hurricane und Southside stattfand und potentielle Headliner wie Mumford & Sons, Florence + the Machine oder Kings Of Leon wegschnappte (2016). Die Konkurrenz eines wachsenden US-Festivalmarkts thematisiere FKP-Geschäftsführer Folkert Koopmanns bereits 2014 im Interview mit Festivalisten: „Je weiter der Festivalmarkt in Amerika wächst, desto mehr wird uns das betreffen“.