Seit vielen Jahren schon ist es möglich, sich das eigene Campingerlebnis bei Rock im Park gegen eine Zuzahlung zu versüssen. Der Haken am heute Zeppelin Stage Camping genannten Service: alle notwendigen Campingutensilien muss man selbst anschleppen und aufbauen. Es gab nur einen leeren Platz auf der Wiese in direkter Nähe der Hauptbühne und kostenlose Sanitärbereiche. 2017 erfolgt der logische evolutive Schritt, den andere Festivals schon länger vollzogen haben: Zusammen mit dem Outdoorspezialisten Coleman etabliert Rock im Park ein Glampingangebot auf dem ehemals öffentlichen Zeltplatz C7.

Das zubuchbare Angebot umfasst in seiner Basisversion bereits aufgebaute Zelte für 2 oder 4 Festivalisten – samt Innereien; sprich: Schlafsäcke auf Luftbetten und Lampe, Stühle und einen Tisch für die lauen Nächte ausserhalb der Stoffwände.
Garniert mit Strom- und Internetzugang sowie einem garantierten Durchwinken in den Wellenbrecher kostet der Spass 225 Euro zusätzlich zum derzeit 195 Euro teuren 3-Tagespass.
Wer es noch eine Ecke komfortabler haben möchte, greift zur Variante für 450 Euro pro Person. Dafür gibt es ein Upgrade in Sachen Zeltgrösse und Luftmatraze, sowie eine eigene Kühlbox.
Alle Campingutensilien sind nur gemietet, nicht gekauft. Das bestätigte mir Veransalter ARGO auf Nachfrage.

An solchen Zusatzangeboten scheiden sich die Geister traditionell – gerade in der Ära der Sozialen Medien und deren vitaler Empörungskultur. Ich gebe zu, auch mich spricht das Gebotene zu diesem Preis nicht an, aber muss ich deshalb den Untergang der Festivalkultur anprangern? Ja und nein – mit Tendenz zu eher nicht. Zumindest so lange nicht, bis die Standardangebote für die Masse massiv darunter leiden.
Ein leichtes Beben der Macht, gibt es schon zu monieren. Den Wellenbrecherzugang für Geld zu garantieren stösst mir seit je her moderat sauer auf, denn das benachteiligt den Normalfestivalisten gegenüber dem Luxusbesucher. Stichwort: 2-Klassen-Festivalismus. Warum nur moderat? Ganz einfach: Es wird nicht allzu viele Priviligierte geben.

Das Coleman Backstage Camping/Glamping richtet sich nicht an den Mainstream – ähnlich wie schon das Zeppelin Stage Camping. Angesprochen werden vielmehr die älteren bzw. betuchteren Semester. Lassen wir das hochgegriffen mal etwa zehn Prozent der Besucher von Rock im Park sein. Wenn sich von dieser Zielgruppe von 7000 Personen auch nur ein Bruchteil für das neue Angebot entscheidet, dürfte der vorhandene Raum auf dem C7 schnell ausgelastet sein. Und geschätzte 100-200 Glamper verteilt auf die Wellenbrecher vor Main- und Alternastage dürften dem Normalo nicht allzu sehr auf die Füsse fallen.

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