crs09_review

Am Donnerstag um 12 Uhr ging es los Richtung Chiemsee Reggae Summer.  Während der Fahrt nach München war der Zug zwar noch angenehm leer, man konnte aber schon vereinzelt die ersten Festivalisten beobachten, die auch auf dem Weg gen Chiemsee waren. In München sah die Lage aber dann schon ganz anders aus.  Wegen Bauarbeiten auf der Strecke München-Rosenheim-Übersee fuhr nicht der Regelzugverkehr, sondern es wurden Sonderzüge zwischen München Hauptbahnhof und Übersee am Chiemsee eingesetzt, die jedoch ohne Halt durchgefahren sind. Diese fuhren im Starnberger Flügelbahnhof ab, in dessen Halle sich die Festivalbesucher versammelten. Am Anfang sah es noch so aus, als würden wir Stunden auf den Zug warten müssen, wir konnten aber schon beim zweiten Zug nach unsrer Ankunft in München an Bord gehen. Da ja eigentlich nur Festivalgänger mit den Zügen fuhren, waren sie auch heillos überlastet. Die Gänge waren so mit Gepäck verstopft, sodass man über die Armlehnen und Ähnliches sich den Weg zur Toilette bahnen musste. In Übersee angekommen, wurden alle ziemlich schnell bei den Shuttlebussen abgefertigt, die im Fünf-Minuten-Takt einfuhren. Auch an der Bändchenausgabe und an den Einlasskontrollen ging alles angenehm zügig vonstatten.

[inset lr=right]Bilder vom CRS 2009 findet ihr in der CRS-Netzwerkgruppe[/inset]

Nachdem das Zelt aufgeschlagen war, war es Zeit für einen Streifzug übers Gelände und zum Getränkemarkt. Auch am Chiemsee Reggae Summer wurde das erfolgreiche Ein-Bier-Ein-Euro-Konzept umgesetzt. Neben günstigem Bier gab es aber auch Eistee, Wasser und Wein. Das bedeutete nicht allzu viel Schlepperei bei der Anreise.

Am Freitag wurden wir dann vom Regen geweckt, der auf das Zelt trommelte. Auch schon die Nacht über hat er die Hauptwege aufgeweicht, sodass man froh sein konnte, Gummistiefel dabei zu haben. Viele setzten aber auch einfach auf die Barfußvariante. Nachdem voriges Jahr das Festival beinahe im Schlamm versunken ist, haben die Veranstalter durchgegriffen und den Boden vom Bühnengelände erneuert. Sprich: Die Erde und das Gras abgetragen und großzügig Schotter verteilt. Das hatte dann zwar einen staubigen Effekt, war aber sicher angenehmer als wadentiefer Matsch. Der Campingplatz und dessen Wege haben zwar nicht von den Erneuerungsarbeiten profitiert, aber da es ab Freitag nicht mehr wirklich geregnet hat, hat die Sonne die Wege nicht allzu schlimm dem Matsch überlassen.

Los gings bei uns mit den Bands mit Sebastian Sturm auf der Hauptbühne um 18:30, gefolgt von Tiken Jah Fakoly und LaBrassBanda auf der Zeltbühne. Der Auftritt von LaBrassBanda wurde von einer Yoga-Session unter der Leitung eines Bandmitglieds aufgelockert, sodass danach wieder entspannt weitergetanzt werden konnte. Schon als die sechsköpfige Band angekündigt wurde, war das Publikum so voller Elan und Enthusiasmus, sodass die Band nicht mehr  viel unternehmen musste um die Menge anzuheizen. Den Headlinerslot besetzten am Freitag Jan Delay & Disko No.1, bei denen so viele Leute waren, dass man schon auf der Höhe vom Soundturm Schulter an Schulter stand. Wie gewohnt war der Gig gespickt mit vielen bandfremden Liedern und Ausschnitten davon, die aber ihr Übriges taten um das Publikum in Bewegung zu versetzen.

Am Samstag haben wir den nahen Fluss, die Tiroler Ache, „getestet“. Viele haben dort den Fluss in eine Waschmöglichkeit umfunktioniert. Ein Grund dafür waren wohl auch die Duschen, bei denen man ab 8 Uhr bis auf die Straße raus anstehen musste. Obwohl das Wasser gefühlte 6°C hatte, hatten viele keine Scheu komplett ins Wasser zu gehen.

Bandtechnisch machten am Samstag Iriepathie aus Österreich den Anfang. Schon um 12 Uhr hat sich eine große Menschenmenge vor der Hauptbühne versammelt, die man um die Uhrzeit nicht erwartet hätte. Sehr dankbar waren wir für die kostenlosen Wasserstellen neben der Bühne, weil mittags die Sonne so heiß war und so hoch stand, dass es kaum Schatten gab. Weiter ging es dann mit Dennis Lisk auf der Zeltbühne und im Anschluss mit dem Ersatzauftritt von Max Romeo auf der Hauptbühne. Max Romeo hat eine gigantische Dreadmähne, wirklich sehr beeindruckend. Sie reicht locker bis zur Hüfte und ist oben bis zum Hals mittlerweile ergraut, weiter unten aber noch braun-schwarz. Im nächsten Slot spielten Mono & Nikitamann, bei denen man aus dem Springen und Klatschen nicht mehr raus kam. Auch machten sie auf Toleranz und Gleichheit aufmerksam. Ob das eine Anspielung auf die folgende Band, T.O.K., war, bleibt offen. Erst Ende 2008 wurde die CD „My Crew My Dawgs“ von T.O.K. wegen Jugendgefährdung indiziert und auch in der 2000 veröffentlichten Single „Chi Chi Man“ wird offen Hass gegen Homosexuelle propagiert. Unterstützt wurde diese Einstellung durch das auf die Bühne Holen einer jungen Frau, später erfuhr das Publikum, sie kommt auch aus Jamaika, die mit jedem der vier Sängern in eindeutigen obszönen Stellungen posierte. Es stellt sich natürlich die Frage, ob das ein abgekartetes Spiel war oder eine Spontanaktion. Trotzdem ändert es nichts an der eindeutigen Aussage der „Tanzeinlage“.  Am Samstag spielte Hans Söllner & Bayaman‘ Sissdem im Headlinerslot, der aber eindeutig zu wünschen übrig lies. Deswegen wechselten wir relativ schnell zur Zeltbühne, auf der The Toasters spielten.

Am Sonntag hat man schon gemerkt, dass das Festival sich dem Ende neigt, da man den ganzen Tag über beobachten konnte, wie viele ihr Gepäck abtransportiert haben. Am Abend spielte dann der heiß ersehnte Peter Fox  feat. Cold Steel. Wie gewohnt legte er eine tolle Show hin mit den zu den verschiedenen Liedern passenden Hintergrundbildern. Zur Freude aller hat er auch noch zwei Lieder von Seeed, „Aufstehn“ und „Dickes B“, performt. Später am Abend spielte Oceana auf der Zeltbühne, die neben ihren Liedern eindeutig mit ihrem Glitzeroutfit und ihren fetzigen Tanzeinlagen überzeugte.

Um der großen Abreisewelle zu entkommen, sind wir schon früh aufgestanden und standen um ca halb 8 an der Shuttlebusstation. Auch wenn die Schlange lang war, kamen die Busse im 20-Sekunden-Takt, sodass man ziemlich schnell schon in Übersee am Bahnhof war. Nach einer stockenden Zugfahrt, bei der wir knapp zwei Stunden unterwegs waren, waren wir in München. Von dort ging es dann in einem auch ziemlich vollen Zug gen Heimat.

Rundum war es ein tolles Wochenende mit tollen Bands, tollem Wetter und auf jeden Fall einer tollen Festivalorganisation.

[important color=green title=“Zahlen und Fakten zum CRS 2009″]Rund 25.000 Fans feierten den 15.Geburtstag des Festivals und liessen sich von 22 Bands auf der Hauptbühne, 23 Bands auf der Zeltbühne und 31 Soundsystems, DJs und Bands auf den Open Decks begeistern.
Schon Wochen vor Beginn des Festivals wurden 1,8 Hektar des 18 Hektar großen Geländes befestigt. Dafür wurden etwa 18.000 Kubikmeter Erde abgetragen und mit Schotter und Kies aufgefüllt. Verbaut wurden ferner: 11 Kilometer Bauzaun und 2 Kilometer Sichtschutz, sowie 5 Kilometer Stromleitungen und 100 Meter Abwasserleitungen. 274 Mobiltoiletten standen verteilt auf dem gesamten Festivalgelände zur Verfügung, 5 Waschcamps und etwa 150 Duschen wurden installiert.
Bei 30 intensiven Sonnenstunden waren gekühlte Getränke von enormer Wichtigkeit. Zur Versorgung stand 1 Getränkemarkt, 1 Biergarten, 20 Stände im Infield und 4 Stände am Campingplatz bereit. Insgesamt wurden 42 000 Liter Becks Fassbier, 9720 Liter Cola, 5184 Liter Sprite, 12 960 Liter Wasser, 3240 Liter Schorle und 4 200 Liter Weißbier konsumiert. Im Getränkemarkt wurden zusätzlich 57 000 Liter Becks, 34 000 Liter Wasser und 21 000 Liter Cola verkauft.
22 weitere Gastrostände im Infield und 13 außerhalb versorgten die Besucher mit Leckereien aller Art und für jeden Geschmack. Italienische, türkische, asiatische oder bayerische Speisen sorgten für eine abwechslungsreiche Ernährung der Reggae-Schar.
Natürlich mussten auch die Crew und die Künstler am Chiemsee Reggae Summer ordentlich versorgt werden. Für deren Verköstigung sorgte das 12-köpfige Team von Oliver’s Finest aus Köln. In der gesamten Woche inklusive dem Chiemsee Rocks Festival am 12 August wurden 180 kg Karotten, 140 kg Blattsalate, 180 kg Zwiebeln, 100 kg Tomaten, 140 Liter Joghurt bzw. Quark, 25 Liter Vinaigrette, 550 kg Hähnchen-, Puten-, Schweine- und Rindfleisch, 135 kg Fischfilets, 350 kg gekochter Reis, 550 kg Kartoffelprodukte, 200 kg Nudeln, 220 Liter Saucen, 150 Liter Suppe, 600 kg Desserts und 120 kg Kuchen zubereitet.[/important]