Einige Anwohner betrachten das alljährliche treiben eher mit Argwohn

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat das Urteil des Amtsgerichts Ansbach bestätigt. Damit ist der seit Jahren schwelende Rechtstreit zwischen Kommune und Anwohnern um den Rock im Park Standort Nürnberg final zu Gunsten der Stadt Nürnberg entschieden. Die Kooperation von MLK und Argo Konzerte darf mit seiner 3tägigen Ausführung von Rock im Park ohne weitere Auflagen in Nürnberg bleiben. Ausserdem wird das Festival weiterhin als „seltenes Ereignis“ mit allen daraus resultierenden Lockerungen gehandhabt.

Neue juristische Angriffsfläche für die genervten Anwohner könnte aber die geplante Erweiterung um einen halben Musiktag bringen. Zur Feier des 15jährigen Bestehens soll das Spektakel nämlich bereits donnerstags Abends mit den ersten Bands starten. Vielleicht gab es auch deshalb seitens der Rock im Park-Verantwortlichen noch keine offizielle News mit der Ankündigung der Erweiterung um einen Tag. Am vergangenen Freitag ist diese beim Ring zusammen mit einem neuen Bandpaket erfolgt.

Das Amtsgericht Ansbach begründete seine Entscheidung gegen die Klage der 3 Anwohner vergangenen November damit, dass das Lärmkonzept der Stadt zum Schutz der Anwohner überzeugend sei. Ferner handle es sich bei dem Festival um ein „seltenes Ereignis“ im juristischen Sinne. Deswegen greife eine Regelung, die tagsüber die Überschreitung des gesetzlich verankerten maximalen Lärmpegels von 70 Dezibel ausnahmsweise erlaube. Diesen Argumenten stimmt die höchste richterliche Instanz in Bayern, der Verwaltungsgerichtshof, nun zu.

Im letzten Jahr waren die Auflagen für den Veranstalter nochmals verschärft worden. Zahllose, über das gesamte Festivalgelände verteilte Messtationen speisten ein Regulierungssystem an den Bühnenmischpulten. Registrierte eine Station einen überschwelligen Lärmpegel, wurde die Lautstärke an der betreffenden Bühne umgehend gedrosselt. Dadurch konnte Argo gewährleisten, dass die vorgeschriebenen 65-70 Dezibel tagsüber und die 55 Dezibel in der Nacht nicht oder nur kurzfristig überschritten wurden. Zudem musste der Veranstalter ab 23 Uhr für Nachtruhe sorgen. Ein Unterfangen, das bei Konzerten bis 1 Uhr morgens allerdings eher theoretischer Natur sein konnte.
Dennoch seien im vergangenen Jahr die gültigen Höchstwerte von ein paar Ausreissern abgesehen nicht nur nicht überschritten, sondern erst gar nicht erreicht worden.

Mit dieser vorsichtige Herangehensweise zog der Veranstalter sich allerdings den Unmut der Besucher und der agierenden Bands zu. Beispiel Billy Talent. Als die Kanadier sich auf der Bühne abmühten, aber auf wenig Resonanz stiessen waren sie zunächst verwundert. Der Funke zwischen Band und Publikum wollte einfach nicht überspringen. Gegen 20 Uhr flog ein beschrifteter Tennisball auf die Bühne. Frontmann Benjamin Kowalewicz holt ihn sich und liest laut vor: „LAUTER“ stand da in grossen Lettern mit Edding geschrieben. Schon zuvor hatten viele Fans immer wieder „Lauter, lauter“-Gesänge angestimmt.
Beim Headliner des Abends, Limp Bizkit, trat sogar Fred Durst vor das Publikum und entschuldigte sich für die Akustik. Zurecht! Der Sound auf Center- und Alternastage am Freitag war diplomatisch formuliert nicht nur leisen, sondern schlecht. Auch an den beiden weiteren Tagen sollte sich daran nur marginal etwas ändern. Kein Wunder, dass sich die Wut der Besucher anschliessend emotional im Parkrocker-Forum entlud. Veranstalter Argo gestand die Probleme ein und gelobe Besserung für das anstehende Jubiläum. Mittels einer Computersimulation hofft man die Soundlöcher des letzten Jahres vermeiden zu können. Mit der neu gewonnenen Planungssicherheit für die nächsten Jahre im Hinterkopf sicherlich eine lohnenswerte Investition.

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