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Rückblick: Southside 2010 – Wie fandet ihr es?

Ein vollkommen subjektiver Rückblick auf das Southside Festival 2010.

Alle Fotos: Thomas Peter

Im Vorfeld des Festivals hatte die Entscheidung von FKP Scorpio bei mir für Verstimmung gesorgt, keine hochwertigen Fotos vom Festival machen zu dürfen. Für zusätzlichen Verdruss sorgte der Blick auf die Webcam des Take Off Parks verbunden mit den horrenden Wettervorhersagen. Letztlich aber wurde es doch noch ein stimmungsvolles, wenn auch feuchtes Festival bei dem der Veranstalter alles tat um ein Absaufen wie am Sonisphere Schweiz beobachtet zu verhindern. Auch hatte der Wettergott ein gewisses Einsehen, so dass der prognostizierte Dauerregen über das gesamte Wochenende ausblieb.

Das Wetter

Die Anreise verlief gewohnt problemlos mit der Bahn und dem Busshuttle über Tuttlingen. Zwar drohten am Himmel dunkle Wolkenteppiche damit sich abzuregnen, doch bis 18:15 Uhr am Donnerstag Abend blieb es trocken. Allerdings hatte das Festivalgelände schon die Tage vorher viel Wasser schlucken  müssen und war an seine Grenzen gestossen. Mehr Wasser sollte -wie sich bald herausstellen sollte- auch der kalkhaltige Untergrund nicht puffern können.
Mit meiner Ankunft am Festivalgelände begann es leicht zu tröpseln, was sich ab 21 Uhr verschärfte und gegen 22 Uhr ging stundenlang Starkregen nieder. Insgesamt 80mm sollen alleine an diesem Abend vom Himmel gefallen sein und so verwandelte sich das donnerstags problemlos mit Sneakern begehbare Campingareal in ein Schlammfeld. Besonders betroffen waren die Hauptlaufwege, doch nach und nach breitete sich der Schlamm bis auf die geteerten Landebahnen und in die Zelteingänge fort. Es war allen klar: Ohne Gummistiefel oder kreative Tütenbasteleien würde man hier keine Freude haben.
Konsequenz: Einige packten bereits am Freitag morgen wieder die Rucksäcke und fuhren nach Hause. Besonders traf das für Leute zu, die in Schlagdistanz von unter einer Stunde Fahrzeit zum Festival zu Hause sind. Sie wollten einfach daheim übernachten und zu den Konzerten täglich anfahren.

Der Freitag begann so nass wie der Donnerstag geendet hatte. Erst kurz vor 11 Uhr morgens endete der Dauerregen und es blieb den Tag über weitgehend trocken, teilweise sogar sonnig. Beim inoffiziellen Startschuss des Festivals, der WM-Übertragung des Spiels Deutschland-Serbien traute sie sich erstmals durch die Wolken zu strahlen, verzog sich aber ganz schnell wieder als Deutschland auf die Verliererstrasse geriet. Was folgte war ein Southside-typischer Wechsel von Wolken- und Sonnenphasen. Bis zum Abend trocknete das mittlerweile durchs 100.000 Füsse starke Publikum erstellte Schlammfeld auf dem Bühnenareal ab. Was positiv klingt hatte eine durchaus negative Belgeiterscheinung. Das Schuhwerk blieb nun förmlich im trocknenden Schlamm kleben. ein Problem, das sich bald lösen sollte: Mit den letzten Tönen vom Blue Headliner Massive Attack setzte wiederum ergiebiger Regen ein.

Zwar stoppte das Nass von Oben immer mal wieder, aber der Samstag muss als verregnet einklassifiziert werden. Verschärfend zum unvermeidlichen Durchweichen kam die Kälte, die am Samstag Abend über den Take Off Park kroch. Auf eine kalte Nacht folgte ein relativ sonniger Sonntag, bei dem nicht nur ich mir unverhofft dank der Neuhauser Höhenlage einen leichten Sonnenbrand im Gesicht einhandelte. Es sollte bis zum Schluss trocken bleiben.

Die Bands

Keine von mir beäugte Band liess sich von den Wetterbedingungen nachhaltig die Laune verderben. Enter Shikari meckerten etwas über das „Scheiss Wetter“, Biffy Clyro nahmen es stoisch: Obwohl es zu Zeiten ihres Auftritts nicht regnete meine James Johnston in Anbetracht der vielen Regenvermummten: „Macht nichts. Bei uns in Schottland regnet es immer“. Ins gleiche Horn stiessen auch die Chiemseer LaBrassBanda: „Wir haben zuhause ein Reggaefestival bei dem schiffts auch immer“. Die Beatsteaks zollten den Besuchern respekt. Sie seien zwar nur am Campingplatz vorbeigefahren, konnten sich dabei aber ein klares Bild machen: „Eine Katastrophe!“.

Apropos Beatsteaks. Sie führen für mich die Liste der Flops an. Nach 2 Jahren Pause freute ich mich als ehemaliger Fan wirklich auf den Auftritt der Berliner, doch von Beginn an fehlte mir das Feuer, die Innovation in ihrem tun. Alles wirkte eingefahren und professionell heruntergespielt. Bezeichnend dass nur einer der 13 Songs (Shit & Shine) vom noch unbetitelten, kommenden Album gespielt wurde. Den bedachte das Publikum auch nur mit mässigem Beifall, egal wen man fragte: Der Song wurde als ziemlich mau bewertet. Kurz bevor die Steaks das erste mal von der Bühne gingen war ich schon aus dem Wellenbrecher geflüchtet.

Auch The Strokes lieferten meines Erachtens einen eher lutlosen Auftritt ab. Frontmann Julian Casablancas stand unter irgendeiner Droge und faselte ziemlichen Mist ins Mikro. Zwischendurch wurden ein paar Songs zur Auflockerung gespielt.

Um die Bewertung der Headlinerriege abzuschliessen: Einzig Billy Talent zum Festivalabschluss wussten zu gefallen. Sie war echt auch dankbar und vielleicht sogar ein wenig gerührt obwegen dieser Rolle. Vielleicht konnte Frontmann Benjamin Kowalewicz auch ein paar Skeptiker auf seine Seite ziehen indem er zur Zugabe in ein Deutschlandtrikot gekleidet auf die Bühne kam. Vorher hatte er sich schon als Fan der deutschen Nationalmannschaft geoutet – schliesslich habe Kanada zwar guten Eishockey zu bieten, aber bei der Fussball-WM keine Chance.

Überzeugende Leistungen möchte ich auch Faithless, Turbostaat, Massive Attack, Katzenjammer, LaBrassBanda, Skindred, Coheed & Cambria, Biffy Clyro und Porcupine Tree bescheinigen. Nicht vergessen: Ich hab nicht alle gesehen. So soll z.B. Madsen auch klasse gewesen sein.

Garnicht gefallen haben mir neben den Beatsteaks auch die Deftones. 15 Minuten verspätet hatten sie begonnen, augenscheinlich weil der deftonsche Soundguru mit den Einstellungen nicht zufrieden war. Danach lies Chino Moreno gestenreich wissen dass er mit dem Mikro nicht einverstanden war. Irgendwann hatte ich genug und ich zog die Pressekonferenz der Band vor, auf die ich mich eigentlich am meisten gefreut hatte.

Was ist noch aufgefallen? The Prodigy fehlte der Wumms und die Lautstärke. Logisch dass man hinter dem Wellenbrecher schon nach 5 Minuten „Lauter, lauter“ zu skandieren begann. Hoffentlich wird das am Taubertal-Sonntag anders.

Das Festival

Wetterkapriolen hin oder her: Bei keinem mir bekannten Grossfestival kommst Du so nahe an die Stars heran wie beim Southside. Dazu kommt, dass die Stimmung einfach super entspannt ist. Abgesehen vielleicht von ein paar Idio… Komikern, die sich zunächst im Schlamm suhlten um dann grinsend (oder besoffen) durch die kompakte Menge zu laufen. Nicht lustig, sondern asozial Jungs und Mädels!
Klar litt das Festival unter den Wetterbedingungen. Doch man lies nichts unversucht das beste aus der verfahrenen Situation zu machen. Einen 6stelligen Betrag wandte der Veranstalter für Aluplatten, Stroh und Holzschnitze auf. Zwar musste FKP Chef Koopmans bei der PK leicht resigniert feststellen, dass 30 Minuten nach der Bühnenöffnung von dem allnächtlich betriebenen Aufwand wenig übrig geblieben sei, doch im direkten Vergleich mit dem zeitglich stattgefundenen Sonisphere Schweiz zeigt sich: Der Aufwand hat sich doch gelohnt.
Ansonsten war der Sound bei allen von mir besuchten Shows gut bis sehr gut. Gleiches trifft auf die Stimmung des überwiegenden Teils der Festivalisten zu. Man hatte sich irgendwann mit den Bedingungen abgefunden und sie weitmöglichst ausgeblendet.
Im nächsten Jahr hoffen wir wieder mit Spiegelreflexkameras statt einer schnöden Digitalkamera anreisen zu dürfen um die Atmosphäre zu zweit noch ein wenig dichter packen zu können. Natürlich hoffen wir nach 2 wettertechnisch eher schlechten Jahren auch auf Besserung in dieser Hinsicht.

Wie hat es Euch gefallen? Wars zu nass und zu kalt? Seid ihr womöglich früher abgereist? Hat Euch das ganze im wahrsten Sinne des Wortes „kalt“ gelassen? Sags uns in den Kommentaren…

Written by Thomas Peter

ein diplomierter Biologe mit starkem Hang zu Fotokamera und der besonderen Festivalatmosphäre.

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