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Finger weg von Festival-Reisen.eu

Screenshot: Festival-Reisen.eu
Screenshot: Festival-Reisen.eu

„Mit uns fährst zu bequem zum Festival deiner Wahl“ – mit dem Bus, zu günstigen Konditionen. Auf den ersten Blick ein attraktives Angebot, was letztlich auch von zahlreichen Kunden in Anspruch genommen wurde.

Mittlerweile häufen sich die Beschwerden in etlichen Internetforen. Die Geschichte ist meist die Gleiche: Entweder die gebuchte Reise wurde überaus kurzfristig abgesagt, oder die Besucher standen am vereinbarten Abholpunkt und warteten – vergeblich. Die Festivallaune dahin. Und das nicht zurückerstattete Geld für einige ein Grund den Anwalt einzuschalten. Die Staatsanwaltschaft Kiel soll gegen den Betreiber wegen Betruges ermitteln, bisher sei dieser aber nicht auffindbar, so mehrere Geschädigte in einer eigens gegründeten Facebook Gruppe.

Die Masche mit den Festivalreisen scheint schon seit mehreren Jahren zu funktionieren. Tine, die uns auf das unseriöse Angebot aufmerksam machte, wollte im vergangenen Jahr über Festival-Reisen.eu zum Nova Rock kommen. Als einen Tag vor Abfahrt keine näheren Details bekannt waren, versuchte sie die Betreiber zu kontaktieren: „Per E-Mail keine Antwort, Hotline tot, ICQ offline, MSN offline. Nach mehrmaliger Nachfrage per E-Mail habe ich dann einen Abend vorher eine E-Mail bekommen, dass die Fahrt nicht stattfindet“. Offenbar um insgesamt 158Euro betrogen. Ähnliches auch in diesem Jahr: Die geplante Route von Kiel zu Rock am Ring 2011. „Waren morgens um 3:30 am Zob, Abfahrt sollte 4 Uhr sein. Es kam kein Bus. Die Hoffnung stirbt zuletzt, sind dann aber um 7 Uhr zum Bahnhof“. Für andere war die Busfahrt – aus verschiedenen Gründen – die einzig mögliche Reiseoption zum Festival. Neben den Kosten für die Busfahrt blieb dort auch die Festivalkarte zwangsläufig ungenutzt. Teilweise sollen die Fahrten aber auch tatsächlich stattgefunden haben, zumindest wird auch davon in Internetforen berichtet. (z.B.) Was davon tatsächlich stimmt, ist schwer überprüfbar.

Mit einer scheinbaren Seriösität versucht der Betreiber die Kunden zu ködern. „Die Preise bei allen unserer Touren sind immer All-Inclusiv Preise und es gibt keine versteckten Kosten!“, so im unteren Bereich auf der Homepage. Seit neuerem wirbt man auch mit der Möglichkeit die Fahrt erst nach Ende des Festivals zu bezahlen, um „um dir das Gefühl von noch mehr Sicherheit zu geben.“ Mit diesem Satz enttarnt der Betreiber seine tatsächliche Intention: Gefühlte Sicherheit. Man spekuliert wohl auf jene Kunden, denen diese Prozedur zu mühsam ist. Verlangt wird unter anderem die Übermittlung von Vorder- und Rückseite des Personalausweises. Eine Gebühr von 3,75 Euro wird ebenso aufgeschlagen.

Aber schon auf der Webseite lassen sich Punkte finden, die misstrauisch machen. So wird beispielsweise darauf verwiesen, dass die Betreiber „aufgrund der laufenden Festival-Sasion“ derzeit nicht erreichbar seien. (Rechtschreibfehler inklusive: „Sasion“, „zuerreichen“, „zeitpunktt“)

Ebenso erstaunlich: Die durchweg positiven Kundenrezensionen. 03.06. bis 05.06.2011 Rock am Ring: „alles bestens gewesen daher dieses jahr aufs neue. \\m/“. Schwer vorstellbar, dass ein Festivalbesucher unmittelbar nach der Hinfahrt an einen Computer eilt, um seine Meinung vom Service der Busfahrt kundzutun. Skurril wird es bei den anderen Rezensionen: Beide dort „wahrgenommene“ Termine liegen in der Zukunft. So schreibt ein vermeintlicher Kunde von der Busfahrt zum Hurricane Festival 2011: „Super komfortabel, geniale Stimmung, coole Musik und der Reiseleiter war sowieso der netteste den ich je kennen gelernt habe…“ Das Festival findet in diesem Jahr vom 17.-19. Juni statt.

Mehrere geschädigte Festivalgänger haben uns und an anderer Stelle empört vom Angebot berichtet. Eine Darstellung der Gegenseite existiert dagegen nicht. Herr S., der für das Angebot verantwortlich sein soll, konnten wir allerdings nicht kontaktieren. Der Hyperlink zum Impressum führt ins Leere. „404 – Beitrag #35 nicht gefunden!“

Nach den gelesenen Beiträgen über Festival-Reisen.eu raten wir dazu die Finger von deren Angeboten zu lassen. Zwar konnten wir das Angebot nicht persönlich prüfen, gehen aber davon aus, dass die zahlreichen Beschwerden vertrauenswürdiger sind, als das – auf der Website vermittelte – Angebot.

Written by Manuel Hofmann

Festivalaffiner Politikwissenschaftler.

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