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Review: Reload 2011

Eine krasse Zäsur war die Fahrt zum Reload Festival. Von Rock im Park und Southside gigantische Menschenmassen gewohnt, stand man da plötzlich in der niedersächsischen Provinz zusammen mit geschätzt 7000 Besuchern. Wie schon bei den anderen beiden Festivals spielte auch in Sulingen das Wetter nicht wirklich mit. Kalt, feucht, windig sind nicht die Attribute dieser Festivalsaison bisher. Um die kommt man auch nicht herum, wenn man über das Reload 2011 sprechen will. Bevor sich ein falscher Eindruck aufdrängt: Es hat durchaus Spass gemacht.

Die Voraussetzungen auf dem neuen Gelände sind für das Festival eigentlich optimal. Kurze, geteerte Laufwege finden sich genauso wie saubere sanitäre Anlagen in grosszügiger Zahl. Nur verteilen sollte man sie besser. Auch die Anwohner scheinen das Festival willkommen zu heissen. Zumindest fanden sich sehr viele mit Gratiskarten versorgte Familien und ältere Herrschaften auf dem Gelände – und sei es auch nur um sich einen Eindruck zu verschaffen was sich da in der Nachbarschaft abspielt. Auch die allmorgendlichen Spaziergänger und Radfahrer grüssten freundlich zurück, machten keinesfalls einen genervten Eindruck. Das hat man anderswo schon ganz anders erlebt.
Der Altersschnitt beim Reload lag relativ hoch – wohltuend für einen Mitdreissiger wie mich. Ob das der Abgelegenheit von Sulingen und/oder dem Programm des Reloads geschuldet ist, vermag ich nicht final zu beurteilen.
Ein weiteres Plus vom Sulinger Standort: Man ist noch lange nicht am Kapazitätsmaximum angelangt, könnte wohl 12.000 Besucher und mehr auf dem Areal unterbringen.

Alle unsere Bilder vom Reload 2011

[one_third]Freitag

Impressionen
R.Y.O.T
Emil Bulls
Fiddlers Green
Skindred
Blood For Blood

[/one_third]

[one_third]Samstag

Impressionen
Until I Sleep
Watch Out Stampede
Dampfmaschine
The Ghost Inside
Deez Nuts
The Bones
Ill Nino

[/one_third]

[one_third_last]Sonntag

Impressionen
Mr. Irish Bastard
Fozzy
Luxuslärm
Wirtz
Soilwork
Agnostic Front
Papa Roach
Agnostic Front
Impressionen Montag

[/one_third_last]

Was fehlt ist schlichtweg das Feintunig. Vieles wirkte mit der heissen Nadel gestrickt. Die an den Tag getretenen organisatorischen Defizite sind allerdings alle von minderschwerer Qualität. Nichts dabei, was bei einem Umzug verbunden mit starkem Besucherwachstum nicht zu entschuldigen wäre bzw. das Erlebnis Reload wirklich dramatisch einschränken würde.
Unzureichende Ausschilderung der Anfahrt und des Geländes und ein fehlender Zeitplan-Flyer, den man den Leuten vor Ort zur Orientierung an die Hand gibt, sind zwei der Kritikpunkte die spontan in den Sinn kommen.

Musikalisch wurde am Reload weitestgehend die harte Schiene gefahren. Buchstäblich. Hardcore dominierte den Timetable, aufgelockert durch „Exoten“ wie die Pop-Rocker Luxuslärm oder die beiden Irish Folk angehauchten Fiddlers Green und Mr. Irish Bastard. Die Headliner aber rekrutierten sich abgesehen von Hatebreed aus dem Nu-Metal. Dabei gaben Papa Roach am Sonntag meiner Meinung nach ein besseres Bild ab als Limp Bizkit am Abend zuvor. Unabhängig vom bereits in epischer Breite diskutierten Fotochaos.
Jacoby Shaddix und seine Band waren ein absolut würdiger Abschlussact, der die Leute mit einem Tritt in den Hintern aus dem Festival beförderte und gleichzeitig dazu animierte sich fürs nächste Jahr gleich wieder ins Reload einzukaufen.

Auffällig war, dass sich die Headliner allesamt zeitlich kurz fassten. Keiner hielt sich an die auf dem Plan ausgewiesene Spielzeit. Klar ist die mehr ein Richtwert als eine Pflicht – trotzdem: Eine „echte“ Zugabe gab es eigentlich bei keinem der Topacts.
Limp Bizkit beispielweise fingen 10 Minuten später an und verschwanden 10 Minuten vor dem offiziellen Ende unter Atzenmusik in den „Partydome“. In dem liessen sie es so richtig krachen. Auf ihren Kracher „Shotgun“ dagegen musste das Publikum in der 70minütigen Show verzichten. Dafür wurden man mit vielen Klassiker verwöhnt. Alles in allem war das Publikum sicher nicht unzufrieden mit „dem“ Headliner des Reload.
Aus dem Lager von Fred Durst und MLK, von dem man die Band gebucht hat, war man voll des Lobes für das Festival. Das lässt auf zukünftige Leihgaben aus dem MLK-Fundus hoffen. Speziell solche, die man selbst bei Ring und Park nicht präsentieren möchte.

Sonntags hatte das Wetter ein einsehen. Es war ein wenig wärmer als in den Vortagen und blieb durchweg trocken. Ein versöhnlicher Abschluss und kleine Entschädigung für 2 eiskalte Abende und Nächte. Doch die hatten wohl an der Fitness von manch einem Festivalisten gezehrt. Bereits vor dem Festivalabschlussact Papa Roach hatten sich die Parkplätze merklich geleert. Am Montag morgen fand sich nur noch eine handvoll Festivalisten auf dem Platz. Der einzige Shuttlebus um 11 Uhr war genau richtig dimensioniert. Das spricht nicht eben für viele Bahnfahrer unter den Reloadern.

Erfreuliches gibt es von der Müllfront zu berichten. Während in den letzten Jahren nach Veranstalterinfo in Twistringen verbrannte Erde hinterlassen wurde und der Platz danach generalsaniert werden musste, hielt sich die Verwüstung in Sulingen in überschaubarem Rahmen. Man hatte nie das Gefühl sich auf einem Müllplatz zu befinden.

Ob ich unser Partnerfestival weiterempfehlen kann? Absolut.
Mit ein bisschen mehr Wärme und ein paar mehr Zuschauern könnte sich das Reload in der 10.000er Klasse etablieren und mittelfristig zu Festivals wie dem Open Flair und dem Taubertal aufschliessen. Dafür müsste man mit seinem Programm aber wohl noch etwas weiter vom Grundthema Hardcore abrücken und massentauglichere Bands buchen.

Meine persönlichen Highlights neben Papa Roach waren Skindred und Deez Nuts. Von ersteren hatte ichs erwartet, letztere sind eine echte Neuentdeckung. Und ja, Limp Bizkit haben aus der Ferne auch Laune gemacht. Im Nachhinein.

Written by Thomas Peter

ein diplomierter Biologe mit starkem Hang zu Fotokamera und der besonderen Festivalatmosphäre.

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