Vor geraumer Zeit schon stellten wir uns die Frage: Welches deutsche Festival traut sich als erstes Seasick Steve einzuladen? Heute bekommen wir eine Antwort: Der Rolling Stone Weekender gibt ihm eine Bühne. Und nicht nur ihm.

Mit der letzten Welle finden noch 5 weitere Liebhaberacts ins Programm des mit einem Wellness-Urlaub gekreuzten Festivals: Archive, Jonathan Wilson, Timber Timbre, Other Lives und Monta spielen am 11. und 12.November ebenfalls am Weissenhäuser Strand auf. Letzterer, Monta alias Tobis Kuhn, setzt die von Tim Neuhaus in 2010 begründete Tradion eines “Wohnzimmerkonzerts” fort.

Schlechte Nachricht für alle Hamburger. Die Termine von Timber Timbre am 11.11.2011 im Uebel und Gefährlich und der von Other Lives am 12.11.2011 in der Beatlemania fallen der heutigen Bestätigung beim Weekender zum Opfer. Bereits gekaufte Tickets können natürlich zurückgegeben werden.

Karten für das Wohlfühl-Event sind noch zu haben, sowohl mit als auch ohne Unterkunft. Wer auf ein Hotelzimmer oder Apartment verzichten kann oder will kann sich mit Tageskarten für jeweils 69 Euro eindecken. Kombipacks aus Unterkünften und 2-Tageskarten sind noch über die Festivalwebseite zu haben. Für die Entscheidung möglicherweise interessant ist die Tagesverteilung der Bands:

Freitag

Wilco * Fleet Foxes * Death Cab For Cutie * Nada Surf * Anna Calvi * Portugal. The Man * Seasick Steve * Josh T. Pearson * Timber Timbre * Jonathan Wilson

Samstag

Elbow * Archive * The Notwist * Cake * Heather Nova * Explosions In The Sky * Thees Uhlmann & Band * An Horse * Amy Lavere * Ed Sheeran * Marcus Foster * Howling Bells * Other Lives * Susanne Sundfor * Monta


Das Festival zu seiner letzten Bestätigungswelle:

Ihre Mischung aus intelligentem Trip Hop und melodiösem Psychodelic Rock lässt die aus London stammende Band Archive so neuartig wirken. Hier haben ein paar Jungs charmant einen gelungenen Cocktail aus bekannten Klängen von Bands wie Radiohead, Massive Attack oder Pink Floyd geschaffen. Fest steht, Archive hat jedem Zuschauer etwas zu bieten, das einen die verschiedensten Emotionen spüren lässt und gerade deshalb im Endeffekt vollends zufrieden stellt. Versprochen werden kann schon jetzt, dass sie spätestens durch ihre Live Show jeden, aber auch wirklich jeden mit dem Geschmack am passenden Fleck, ganz und gar um den musikalischen Finger wickeln werden.

Mit einem noch nach Presswerk riechenden Debut-Album namens “Gentle Spirit” im Gepäck, lässt der 36-Jährige Multiinstrumentalist Jonathan Wilson nun die breite Masse Zeuge seines Talentes werden. Der Titel lässt es schon erahnen, hier geht es eher sachte, ruhig und sphärisch zu. Psychedelischer Folkpop, den man seit langen nicht mehr in solch einer Frische und Perfektion gehört hat.

Nach der positiven Resonanz im Vorjahr auf das spontan gegebene Konzert von Tim Neuhaus in einem Hotelzimmer, wird nun der Solokünstler Tobias Kuhn alias Monta in gemütlicher Atmosphäre seine Songs zum Besten geben. Seine melodischen Stücke werden oft durch metaphorische Texte getragen, machen allerdings jederzeit in brillanter Art und Weise klar, was ihn im Alltag bewegt, antreibt und motiviert, solch wunderbare Songs zu schreiben.

Während in Oklahoma im Süden von Amerika entweder Country und Western oder Stoner Rock gespielt werden, schallen bei Other Lives neo-folkige Töne aus den Speakern, harmonische Gesänge, getragene Melodien, verwobene Arrangements und vielfältiges Instrumentarium. Die Fleet Foxes sollen ebenso große Fans dieser Band sein wie die Herren von Radiohead. Schwere, verwaschene Sounds fliegen zusammen mit unglaublichem Gesang durch Raum und Zeit und wechseln sich mit leichten Klängen, süßem Gesang und indie-poppigen Gitarren ab. Kammerpop kommt einem in den Sinn, aber das ist nicht alles. Hier steckt auch Glass’sche Minimal Music drin und Morricones dunkle Western-Epen.

Mit mehr als 60 Jahren auf dem Buckel und nicht mehr als einer alten Gitarre bewaffnet ganze Generationen begeistern? Seasick Steve hat es mit seiner Mischung aus Blues/Rock und Country-Elementen vorgemacht. Von niemand geringerem als John Paul Jones (Led Zeppelin) in einem kleinen Londoner Bluesclub entdeckt, singt er auf der Bühne über davongelaufene Frauen und dem langweiligen aber nicht selten romantischen Alltag. Simpel und ehrlich geht es bei ihm zur Sache und genau das macht den jung gebliebenen Steve so sympathisch.

Taylor Kirk, das Mastermind hinter dem Musikprojekt Timber Timbre, wollte Musik machen, die er selbst liebt – und sei es nur, indem er so klingt, wie all die Künstler, die er liebt, auf einmal gespielt. Seine Musik ist dabei so gar nicht für die euphorischen Momente des Lebens, sondern für das Einsame, Unbehagliche, Düstere und Melancholische zuständig. Das macht sie nicht minder schön, im Gegenteil. Er bezeichnet sie selber als Gothic Rockabilly Blues und genauso unfassbar ist sie stilistisch. Prisenweise gibt es Rock’n’Roll mit Folk, Country und Blues, klassische Singer/Songwriter-Momente und große Arrangements mit schmaler Instrumentierung. Timber Timbre ist genau das Richtige, um jeden Zuhörer gepflegt in den melancholischen Herbst zu tragen.