Vor ziemlich genau zwei Jahren, damals ebenfalls im September, veröffentlichte Chuck Ragan sein drittes Studioalbum “Gold Country”. Inzwischen hat sich einiges getan. Chuck Ragan kommt mit seinem Folkprojekt, der Revival Tour, erstmals nach Europa, und auch ein weiteres Soloalbum steht nun in den Läden. Herausgekommen ist ein Album mit elf Songs in gewohnter Chuck Ragan Manier, allerdings ohne großartige Veränderungen gegenüber dem Vorgängeralbum.

 

Chuck Ragan (Foto: Scott Toepfer)

Längst gilt Chuck Ragan nicht mehr als nur der Sänger von Hot Water Music, geschweige denn als Geheimtipp unter Musikfans. Zu verdanken hat er das sicherlich auch den unzähligen Soloauftritten der letzten Jahre und seiner unerbittlichen Lust, quer durch die Welt zu touren. Wen wundert es also, dass nahezu alle Songs des neuen Albums auf Tour entstanden sind, und ganz nebenbei auch vom Unterwegssein handeln. So monoton wie das nun klingt, so kreativ sind die Melodien doch in manchen Teilen geworden.

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Der erste Song, Nothing Left To Prove, eröffnet dem Hörer unmittelbar, wo die Reise in der nächsten Dreiviertelstunde hinführt. Ein Song, der an Songs des Vorgängeralbums, wie beispielsweise For Goodness Sake erinnert und sich ebenso mit solchen messen kann. Schnell wird klar: Covering Ground ist nach dem gleichen Muster gestrickt wie vorherige Alben. Chuck Ragans wuchtige, tonangebende Stimme, maßgebender Mundharmonikaeinsatz, Akustikgitarre und Jon Gaunt an der Geige immer im Gepäck, auch wenn hier und da mal ein Kontrabass herauszuhören ist. Signifikante Neuerungen gibt es also nicht. Dennoch hat das Album einige Highlights zu verbuchen:  Mit eingängigen Chören, passenden Geigenarrangements und stimmungsvollen Melodien hat die Platte ihre guten Momente, und schafft es, wenn man denn so will, das Wohnzimmer auch mal für einen Moment mit der Atmosphäre eines Abends am Lagerfeuer zu füllen. Sicherlich zählen der Opener Nothing Left To Prove sowie You Get What You Give oder auch Seems We´re Ok (auch textlich)zu den Höhepunkten von “Covering Ground”.

Generell reiht sich das Album wie gewohnt in den Folk- und Countrybereich ein und klingt nach einer Weile dann doch etwas sehr routinemäßig. Die bekannten Einflüsse von Johnny Cash oder Tom Waits hört man natürlich auch dieser Platte an. Der Song Right as Rain zeigt dem Hörer zum Ende des Albums hin nochmal einen etwas anderen Gesangsstil auf. Das Ganze kann aber nicht wirklich überzeugen. Im darauffolgenden Song Meet You In The Middle wirkt Brian Fallon, dem ein oder anderen wohl von The Gaslight Anthem bekannt, gesanglich mit. Hätte man versehentlich Tom Waits als Mitwirkenden notiert, wäre dies wohl kaum aufgefallen. Brian Fallons Gesang spielt sich nämlich im Hintergrund ab, und bleibt daher fast unbemerkt. Wie viele der Lieder ist auch dieses ganz nett anzuhören, weist aber genauso wenig Ohrwurmpotenzial auf.

Und so klingt das Album Covering Ground mit Lost and Found, einem Song in etwas gemäßtigerem Tempo, aus.

Eine kleine Freude bereitet Chuck Ragan dann doch noch: Nach dem Schlusssong Lost And Found folgt nach kurzer Pause ein unerwarteter weiterer Song  – und zwar einer, der gut gefällt. Mit eindringlichen Mundharmonikaklängen lässt Chuck Ragan sein neues Album harmonisch ausklingen.

Insgesamt ist “Covering Ground” ein weiteres solides Album, mit dem sich Chuck Ragan nicht verstecken braucht, das aber ebenso viel Routine und Altbekanntes enthält als sei es die B-Seite von Gold Country. Es enthält einige schöne Melodien, die für eine Weile im Kopf bleiben, aber nicht wirklich viel, was den Zuhörer vom Hocker reißen könnte.

Wer  für Folk(rock) oder Country zu begeistern ist, wird von diesem Album bestimmt nicht enttäuscht sein und die Platte für Zwischendurch mögen. Wer sich zudem einen Eindruck verschaffen möchte, wie solche Songs live klingen, dem sei die Revival Tour Ende Oktober angeraten.