In den letzten Wochen haben verschiedene Discounter bereits Campingartikel zumindest temporär in ihr Sortiment aufgenommen. Ab Donnerstag schickt sich auch Lidl an ein 2-Personen Wurfzelt der (Eigen)Marke Rocktrail an den Festivalisten zu bringen. Der Herstellername suggeriert Festivaltauglichkeit. Auspacken und (weg)werfen?

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>> Alternative: Quechua 2 Seconds II

Zeltangebot von Lidl in KW 20

25,99 Euro nimmt Lidl dem Käufer ab. Ein verlockender Preis. Dafür verspricht man ein Zelt für zwei Personen, das sich alleine binnen Sekunden aufstellt. Windstabil und wasserdicht dank versiegelter Nähte bis zu einer Wassersäule von 1500 mm soll es sein, dabei 2kg leicht durch Verbau eines Fiberglasgestänges. Doch wie fast immer gilt auch hier: Du bekommst was Du zahlst.

Um es vorweg zu nehmen: Dieses Zelt würde ich persönlich nicht bei einem Festival verwenden wollen. Es ist eines dieser Produkte, die von vielen nach einmaliger Nutzung einfach vor Ort stehen gelassen werden. Einerseits weil es so günstig ist und daher von vornherein als Kosten fürs Festivalwochende abgeschrieben wird. Andererseits potentiell auch weil schlicht die Funktionalität enttäuschte.
Vodergründig verkauft sich das Zelt wegen seines schnellen Auf- und, wenn mans mal gelernt hat, problemlosen Abbaus. Wie oft das wirklich reibungslos funktioniert müsste ein Praxistest zeigen. Praktisch ist es allemal. Wer einmal ein Wurfzelt genutzt hat, will nichts anderes mehr haben.

Beim Rocktrail 2-Personen-Wurfzelt handelt sich um ein einwandiges Konstrukt, ein eingehängtes Innenzelt fehlt. Das bringt systembedingt diverse Nachteile mit sich.
Scheint die Sonne darauf, wird es innen abartig warm. Dem will das Zelt durch eine Ventilationsöffnung in der Tür begegnen. In wie fern das gegenüber dem Eingang in die Zeltwand eingesetzte Fensterchen bei der Belüftung hilft erschliesst sich aus dem vorliegenden Material nicht.
Zweiter Nachteil des fehlenden Innenzelts: Wird die Zeltwand aussen feucht überträgt sich die Klammheit bei dieser Technik schnell auch in den Innenraum. Man wacht also morgens ziemlich sicher immer in ungemütlichem Klima auf, muss seine Kleider zusätzlich in Tüten verpacken um sie Trocken zu halten. Generell würde ich bei schlechten Wetterbedingungen lieber nicht auf die Dichtigkeit eines einwandigen Zelts vertrauen wollen.
Stichwort Insekten. Auch hier macht sich ein Innenzelt in der Regel äusserst positiv bemerkbar, müssen Schnecken, Mücken und Spinnen doch zwei Barrieren überwinden statt nur einer.

Zu den Dimensionen: Länge 235 cm bei einer Breit von 140 cm und einer Höhe von 100cm im Maximum. Das Packmass hat einen Durchmesser von etwa 76 cm.
Ein Vorzelt ist nicht vorhanden. Alles Gepäck muss also mit in den Schlafraum. Selbst wenn man es bei einem Freund auslagert: Zwei Personen lassen sich nur relativ unbequem unterbringen, z.B. auch weil gängige Isomatten alleine schon 70cm breit sind. Es ist also wenn, dann nur mit quetschen möglich zwei Matten nebeneinander zu legen.
Das Zelt eignet sich auf Festivals meiner Meinung nach also bestenfalls für eine Person, die in der Zeltmitte schläft und ihr Proviant auf den beiden Seiten verteilt. Fairerweise muss gesagt werden: Auch 2-Personen-Zelte anderer Hersteller taugen faktisch nicht wirklich um zwei Festivalisten einen bequemen Schlafplatz zu bieten. Dafür sollte man gleich zu einem 3-Personen-Zelt greifen.

Fazit: Gebt lieber ein paar Euro mehr aus und besorgt Euch ein doppelwandiges Zelt eines bewährten Markenherstellers. Man schlägt sich mit weniger gebrochenen Werbeversprechen herum und fühlt sich einfach besser aufgehoben. Schnell amortisiert sich die Zusatzinvestition.

Persönlich schwöre ich auf die exklusiv von Decathlon angebotenen Quechua-Zelte – mit Innenzelten. Als Alternative zum Lidl-Angebot bietet deren Sortiment eine 20 Euro teurere Lösung an: Das 2 Seconds II. Es wiegt 700g mehr als das Angebotszelt, der Innenraum misst nur 120×210 cm. Für eine Person aber vollkommen ausreichend. Wer mehr Komfort möchte, kann zusätzlich Geld in diverse Extras wie Grösse, Vorzelt, einfacheres Zusammenlegen, Klimaausrüstung, Belüftung und Beleuchtung investieren. Mit dem 2 Seconds+ II ist man für 80 Euro als Single-Camper bestens bedient. Für eine Edel-Version mit sonnenisoliertem Aussenzelt, Vorraum und Beleuchtung kann man bis zu 170 Euro anlegen.
Das angesprochene 2 Seconds II hat mich drei Jahre lang auf über 25 Festivals begleitet ehe sich der Reissverschluss des Aussenzeltes nach einer besonders schlammigen Saison verabschiedete. Ein kritisches Verschleissteil, das man bei jedem Zelt vor dem Kauf einer kritischen Betrachtung unterziehen sollte.

3 Kommentare

  1. Ich habe mir das Lidl-Zeit 2009 gekauft und habe das Hurricane 2009 darin verbracht. Die besagten Nachteile habe ich auch gemerkt (nasse Wände von Innen). Alleine hatte ich keine Platzprobleme, ging alles sehr gut. Habe jedoch auch eine ganze Rolle Zewa verbraucht umregelmäßig die Wände zu trocknen. Zudem hat es nach starkem Regen durch die Decke getropft, da sich auf dem Dach sehr leicht eine Pfütze bilden kann.
    Seitdem nutze ich das Zelt nur noch als Lagerzelt für Essen/Getränke, Stühle etc…
    Zudem kann man damit sehr schnell eine Zeltplatz ergatter ;-)

  2. Artikel sponsored by Quechua?

    Mich hat mein “billig” Lidl-Zelt schon auf 10 Festivals begleitet und es macht immer noch eine top Figur.

    Ob es bei diesem neuen Wurfzelt Qualitätsunterschiede gibt, kann ich natürlich nicht sagen, aber man sollte unvoreingenommen die ersten Testberichte abwarten, oder es einfach selbst testen ;)

    • Nein. Eigene Erfahrung.
      Wäre aber schön wenn sie uns dafür wenigstens mal Zelte zum Testen überlassen würden.
      Tunse aber nicht.

      Fakt ist: Ich kenne einige Leute. Auch solche die sich mit so Billigzelten eingedeckt haben.
      So wirklich glücklich wurde niemand damit. Wenn das bei Dir anders ist: Glückwunsch zum Schnäppchen.
      Aber schau auf unserem Facebook-Kanal. Auch dort gibt es Zustimmung zu meinen Erfahrungen.

      Ein einwandiges Zelt hat all die aufgezählten Nachteile. Billig hin oder her.

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