Springen wir zum nächsten Konzert des Tages, von dem – aus meiner Perspektive – vor allem eine Anekdote am Rand berichtenswert scheint: Bei Tocotronic möchte Kraftklubs Felix Brummer offenbar mal wieder Fan sein. 2-3 Leuten erkennen ihn, wollen Fotos machen, was weitere Fans anlockt. Danach bleibt für ihn Zeit, am Geländer des zweiten Wellenbrechers zu stehen und in Ruhe der Band zuzuhören, zumindest für die Zeitspanne einer Kippe.

Für mich persönlich bleibt das Phänomen Tocotronic ein Stück weit unverstanden. Die vielen, vielen Tocotronic-Bandshirts, die ich auch heute sehe, zeigen mir, dass ich weiter versuchen sollte, einen Zugang zur Band zu finden. Bisher ist das nicht passiert. Sollte es irgendwann Klick machen und mir ein „Mea Culpa, Tocotronic!“ entfahren, werde ich berichten.

Deutlich leichter fiel es mir dagegen, einen Zugang zu Phoenix zu finden. Die nämlich machen ausgesprochen tanzbaren Indie-Rock, weswegen mich zumindest Lisztomania und 1901 seit meiner musikalischen Sozialisationszeit im Indie-Schuppen meiner frühen Jugend begleiten. Hach, die alten Zeiten.

Noch eine Vorbemerkung zur Band: In diesem Jahr waren Phoenix Coachella Headliner. Coachella! Headliner! Bei Rock im Park dagegen spielen sie um 18:40 auf der Alternastage. 18:40! Alternastage! Das rechtfertigt keine komplette Lustlosigkeit, ermöglicht aber die relativ zuverlässige Schätzung, dass Phoenix grade nicht den Gig ihres Lebens spielen.

Das Intro zum Konzert wäre durchaus headlinerwürdig, wenn es die Leute denn verstehen würden: Die mehrminütige, instrumentale Klassikmusik bevor die Band auf die Bühne kommt erzeugt bei den Leuten im hinteren Drittel der Alternastage eher Verwunderung als Vorfreude. Am Boden liegend wird ohne Antwort „Welche Band ist na des?!“ erfragt. Der Auftritt insgesamt ist durchaus solide, auch wenn sich das Verhalten des Sängers Thomas Mars etwas schwer einordnen lässt. Es schwankt zwischen kompletter Gleichgültigkeit und übertriebener Euphorie, inklusive Crowdsurfing-Versuchen.

Wer bisher nicht an Drogen dachte, sollte noch einmal aufhorchen: Während eines längeren, elektronisch geprägten Instrumentalteils legt sich Mars kurzerhand auf den Bühnenboden. Für Minuten. Eine Monitorbox ist sein Kopfkissen. Die Visuals im Hintergrund (die nebenbei bemerkt genau so funktionieren wie sie es sollten, wenn man einen Headliner auf einen Nachmittagsslot schiebt: nämlich etwa zu einem Drittel) flackern dabei in Regenbogenoptik. Gefehlt hätte nur die Nyan Cat. Schräg, aber unterhaltsam. Genau so lässt sich das Konzert zumindest mit Blick auf die Performance des Sängers zusammenfassen.