Performance ist auch das Schlagwort bei Hurts mit ihrem schweren Synthie-Pop. Bezeichnend, wenn der Schmerz schon im Bandnamen steht. Die Musik wird dramatisch und perfektionistisch inszeniert, angefangen beim eng sitzenden Anzug, den schwarzen Lederhandschuhen und den akkurat zurückgegelten Haaren von Sänger Theo Hutchcraft. Die weißen Rosen, die er in den Songpausen ins Publikum schmeißt, könnten auch Grabesschmuck sein. Und er ein besonders gut angezogener Bestatter. Komplettiert wird der Auftritt von zwei knapp angezogenen und ziemlich affektiert tanzenden Frauen.

Das erste mal überhaupt auf einem Großfestival bemerke ich während Wonderful Life einen mitsingenden Security, der das Lied währenddessen auch noch mit seiner Digitalkamera einfängt. Muss ich weiter schreiben? Über die Musik lässt sich streiten. Aber wer sich so präsentiert, hat die große Bühne verdient.

Hurts sind mein persönlicher Headliner. Also im Sinne von „die letzte Band“. Überleiten ließe sich hier zur oft monierten Headliner-Problematik. Die fehlende Kreativität in der Programmgestaltung. Warum man nicht zum Beispiel, wenn wir schon bei Synthie-Pop waren, mal wieder eine Band wie Depeche Mode verpflichtet. Fehlender Mut? Fehlende Verfügbarkeit? Fehlendes Geld? “Kann ich das alles überhaupt beurteilen, wenn ich die ‘Headliner’ des diesjährigen Festivals nicht einmal gesehen habe?”, frage ich mich, während die S-Bahn Richtung Hauptbahnhof losrollt.

Unterbrochen werde ich von einem grumpig daherkommenden Kontrolleur der VGN, der speziell nach Rock im Park Besuchern Ausschau hält. Bei mir sind nach Vorzeige von Bayern-Ticket und Ausweis keine 40 Euro zu holen. Weniger Glück hat ein Festival-Besucher zwei Reihen weiter.