Generation YOLO

“Abbreviation for: you only live once / The dumbass’s excuse for something stupid that they did / Also one of the most annoying abbreviations ever….”, sagt das Urban Dictionary zu YOLO. Was das nun mit dem Southside zu tun hat, fragen sich wohl nur Menschen, die nicht da waren. Während manche Nostalgiker mit ihren Helga-Rufen weiter an die Festival-90er remineszieren, hat sich YOLO oft in Kombination mit SWAG und Hashtag zum Running-Gag vom Southside 2013 entwickelt.

Average Engines (Foto: Thomas Peter)

Besonders tief in diese sogenannte Jugendkultur eintauchen konnte man mit Blick auf das gegenüberliegende Camp, das durchgehend Seeed durch die Boxen jagt und YOLO-Shirts trägt. Es ist eine herrlich dumme Idee, eines dieser Campingmitglieder zu fragen, ob sie ihr YOLO-Shirt ironisch trage. Noch nie habe ich so einen grumpigen Blick auf einem Festival geerntet. Aber hey: #YOLOSWAG, man!

Des Übergangs wegen lüge ich und behaupte, dass ich am zweiten Tag ausschließlich deshalb schon mittags zu den Bühnen flüchte. Nach einem Kurzbesuch von Festivalisten, die ich bereits gestern am User-Treffen persönlich kennen lernen durfte, geht es zu den Average Engines. Die durfte  ich auch zumindest indirekt über Festivalisten kennenlernen, schließlich arbeitet Frontmann Tim für FKP Scorpio. Dieser bringt mit “Rammstein haben unsere Pyro geklaut” die mit Abstand beste Ansage des Festivals. Eine Show, die Laune auf mehr (und das crowdgefundete zweite Album) macht. Und das sage ich nicht aus Vetternwirtschaftsgründen.

Torpus And The Art Directors (Foto: Thomas Peter)

Mit Torpus & The Art Directors geht es weiter im Programm auf der Blue-Stage. Dass wir die schon einmal gesehen haben – als Vorband von Young Rebel Set, erinnert mich eine Freundin vorab. Nach Ende des Konzertes gebe ich ihr recht. Obwohl damals wohl nicht zu viel hängen geblieben scheint, ist es doch mehr als nett in der Sonne am Boden sitzend den schwer unsicheren Ansagen und ihren Liedern zu lauschen. Gerade, als am Ende noch “Fall in Love” kommt. Da füllt sich mein Körper noch jetzt mit innerer Wärme, ganz sonnenbrandunabhängig.

Yo, Macklemore!

Macklemore (Foto: Thomas Peter)

Schon während ihres Sets füllt sich die Blue Stage, was wohl weniger ihnen selbst als dem folgenden Act zu verdanken ist: die gefühlte Hälfte trägt Macklemore T-Shirts, die anderen YOLO-Schmierereien an Gesicht und Körper. Als Macklemore & Ryan Lewis dann auf der Bühne stehen ist mehr los, als bei jedem Blue-Stage-Headliner des Festivals. Das wäre, beim ursprünglichen Slot im Red-Stage-Zelt, “lustig” geworden. Aus der Verschiebung resultiert auch das auf 35 Minuten gekürzte Set, das Macklemore mindestens zu 50% mit Ansagen füllt.

Der Schleimpegel dabei liegt dabei weit, weit, weit über Schmerzgrenze. Er wisse schon jetzt, dass das Southside-Publikum das tollste seiner gesamten europäischen Festivaltour sein wird. Das sagt er beim zweiten Auftritt des Sommers. Von mehr als 10. Er finde, Deutschland baue die tollsten Autos. Er betont den großartigen Style der Zuschauer, streift sich vor “Thrift Shop” eine Weste aus dem Publikum über, die seiner Aussage nach aussieht und riecht wie ein nasser Hund.

Toll ist die Ansage vor “Same Love”: Das was gerade passiere in der Gesellschaft und den Parlamenten, sei die größte “Civil Rights Movement” unserer Zeit. Jubelnder Zuspruch, wobei der vermutlich bei jeder Ansage gekommen wäre: “Ey, Leute, der hat irgendwas gesagt, lass mal die Seele aus dem Hals schreien!”.

Nach Macklemore geht es zurück zum Campingplatz. An mancher Stelle sind wir dort weit, weit weg von der eben vorgetragenen Botschaft. Entfernt auch von der Radio-Ankündigung “rassistische, sexistische und homophobe” Äußerungen streng zu ahnden. Ein Großteil der Kommentare lässt sich grob in die Kategorie Festivalhumor einordnen, manchmal im Verlauf des Wochenendes geht’s aber zumindest für meinem Geschmack ein kleines Stückchen über die Grenze. Aber weg von der homöopathisch geäußerten Sozialkritik und zurück zu den Bühnen.