Tegan And Sara (Foto: Thomas Peter)

Nach Tame Impala werde ich mitgezerrt zu Gogol Bordello, die mit ihrer Musik das gefühlte gesamte Southside-Festival springen lassen. Spaß machen im Anschluss auch Tegan & Sara. Ihr neues Album ist mir eine Spur zu sehr poppig geraten, live geht das ganze aber sehr, sehr gut.

DAS Konzert

Im Vergleich zu The National können die bisher gesehenen aber alle einpacken: Die Sonne steht auf ihrem Weg zum Untergang gerade so, dass die Gegenlichtaufnahmen der Kameras epischer nicht mehr sein könnten. Um die offenbaren Alkoholprobleme des Sängers Matt Berninger weiß man. So steht sofort Ersatz da, als der Mikrofonständer Nummer eins zertrümmert wird. Ganz unabhängig von seinem Betrunkenheitszustand sitzt die Stimme von ihm so perfekt, dass man bei jedem einzelnen Lied Gänsehaut bekommen könnte.

The National (Foto: Thomas Peter)
Selten passen Lyrics eines Liedes so gut wie im Moment als ich während “Fake Empire” auf den Schultern sitze (wohlgemerkt von einer Frau; was jeder Gender-Lehrstuhl als subversiv feiern würde, erntet hier nur schwer verwunderte Blicke): “We’re half awake in a fake empire”. Am Ende geht Sänger Berninger samt Mikrofon und Kabel mitten ins Publikum, um dort weiterzusingen, und ich habe große Probleme dabei, eine noch bessere Festival-Show aus meiner langjährigen Erinnerungskiste zu kramen.

Gute Erinnerungen habe ich an Portishead beim Southside 2011: Als die Bühne tief in blaues Licht gehüllt war und ein kalter Wind über den Raum vor der Green Stage wehte.
Dieses Mal wirkt Sängerin Beth Gibbons kühler, distanzierter.

Portishead (Foto: Thomas Peter)

Ins Publikum zum umarmen der Zuschauer geht sie dieses Mal – anders als 2011 – nicht. Zusammen mit den Visuals im Hintergrund, die unter anderem auf die gestiegenen (Jugend)proteste in Ländern wie Griechenland und Spanien verweisen, ist die Show aber trotzdem ziemlich großartig.

Boom!

Rammstein (Foto: Thomas Peter)

Ärgerlich sind dagegen Rammstein Fans, die das komplette Konzert über vorbei an mir zur Green Stage strömen und die Band selbst, die sich mit einem ersten großen Feuerwerk und Krachern dem gesamten Festival ankündigt: “Peng! Boom! Bam!, wir sind jetzt da!!!”

Mir wurde von gefühlt tausenden Festivalisten eine großartige Bühnenshow versprochen, also geht es auch hin zu Rammstein, als Portishead von der Bühne gegangen sind. Die Show bringt mich fast ununterbrochen zum Lachen, und ich weiß nicht, ob das die Intention ist. Die grimmig dreinblickenden Gesichtsausdrücke umherstehender Fans verraten mir gegenteiliges.

Provokation soll das Stilmittel der Wahl sein. Das probiert man dann zum Beispiel mit gespieltem Analverkehr inklusive Abspritzen bei “Bück dich”. Gleich danach kommt dann das nächste Show-Element, das mir ein “WTF” entfahren lässt. Überall kracht und explodiert und brennt es, so dass die Bühne nicht weniger ist als ein Minesweeper-Spiel, bei dem man nur verlieren kann. Das ist alles so drüber, dass ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass das ernst gemeint ist. Andererseits: Boom! Peng! Kaboom!

Einen großen Kontrast und einen tollen Abschluss des langen, langen Festivalsamstags bieten dann Sigur Rós, dessen Bühnenshow zwar nicht das Ziel verfolgt, möglichst viele Explosionen unterzubringen, zur Inszenierung ihrer Musik aber mindestens genauso erfolgreich beiträgt: Überall stehen Glühbirnen auf der Bühne, im Hintergrund auf der Videowall, die sich über die komplette Bühnenbreite erstreckt, laufen wechselnde Filme und Bilder.

Das flasht dann so sehr, dass es unmittelbar nach dem Konzert zurück zu den Zelten geht. Vorbei an den Feiereien der Festivalisten auf der Landebahn und den ewig gleichen Liedern des Partyzelts.