Der Sonntag: Warten auf Editors

Editors entzünden zum Abschluss noch einmal ein musikalisches Feuerwerk erster Klasse

Spätestens seit dem energetischen Headliner-Auftritt beim Rock Werchter 2012 war mir klar: Ich muss die Editors unbedingt in Belgien sehen. Vorzugsweise eben auf diesem Festival, wo die Belgier schon 2010 und 2012 für eine wundervolle Stimmung gesorgt haben. Wie gut, dass der Veranstalter Livenation sie in diesem Jahr also noch mal gebucht hat. Um mit meinem Fanherz im ersten Wellenbrecher also möglichst nahe am Geschehen zu sein, entscheide ich mich nach den gehypten Alt-J gegen Of Monsters And Men, die ich mir eigentlich sehr gern angesehen hätte. Aufgrund des langen Weges zwischen The Barn und den Wellenbrechern vor der Hauptbühne, bin ich also schon zu Beginn von 30 Seconds to Mars zur Mainstage, um mich weit nach vorne zu kämpfen. Bereuen tue ich es auf gar keinen Fall, mir diese Kapelle mal angesehen zu haben, um endlich aus erster Hand bei deren Live-Qualitäten mitreden zu können. Und tatsächlich stehe ich wenig später kopfschüttelnd und mit verschränkten Armen vor der Bühne. Nicht nur kommt einiges der Musik vom Band, auch das Set der Formation um Jared Leto reißt nicht mit, obgleich die Band sehr bemüht ist. Daran kann auch der zugegebenermaßen nicht gerade schlechte Hit “The Kill” nichts ändern, der zwischen Tracks des aktuellen Albums und “This Is War” eingeschmissen wird. Was mir aber wirklich bitter aufstößt, ist, neben den etlichen Aufrufen zum Springen und sonstigem unnötigen Geplappere, die geheuchelte Liebe zu den Fans. Die werden während “Closer to the Edge” zwar auf die Bühne geholt, aber beim Springen von der Security fein zurückgehalten – kontrolliertes Ausrasten ist die Devise. Der ein oder andere darf Leto – heute Jesuslike mit langen Haaren und Bart – auch mal kurz umarmen, dann hat der Frontmann von 30 Seconds to Mars aber auch die Nase voll und schickt seine Anhänger zurück in Reih und Glied. Das passt wieder ins Bild. Zur Erinnerung: Wir haben es hier mit einer Band zu tun, die teure VIP-Tickets verscherbelt, damit ihre Fans ihnen mal die Hand reichen und ein Foto machen dürfen. Und die in diesem Zusammenhang “normale” Konzertkarten mit einem Besuch bei McDonalds vergleichen. So einer Kapelle kaufe ich eine innige Verbindung zu ihrem sogenannten Echelon einfach nicht ab. Es verwundert mich also auch nicht, dass sich Jared Leto mit angepisstem Gesichtsausdruck nach den letzten Tönen ganz schnell vom Acker macht.

Rampensau Dave Gahan gibt alles

Aber das ist geschwind vergessen, als die mit Spannung erwarteten Depeche Mode gut gelaunt die Main Stage betreten. Doch auch wenn Rampensau Dave Gahan fast nonstop nur mit einer dünnen Weste, und später auch nacktem Oberkörper, tanzend über die Bühne fegt, gelingt es den Synthie-Poppern nicht, für wirkliche Begeisterung zu sorgen. Zwar klatscht das Publikum nach Aufforderung fleißig mit, tanzen tun es jedoch nicht. Mit Verwunderung registriere ich, dass selbst die mit einem passenden Shirt bekleideten Fans nicht einmal mitsingen, zeitgleich ertappe ich mich immer wieder beim Blick auf die Uhr. Dann jedoch der Bruch: Mit “Enjoy The Silence” ziehen die Briten noch einmal richtig an und ihr Set gewinnt an Fahrt. Auch der Platz vor der Bühne wacht plötzlich auf, singt lautstark mit und hüpft was das Zeug hält. Mit “Personal Jesus” direkt im Anschluss halten Depeche Mode die Stimmung dann bis zum Ende ihres Auftritts auf hohem Niveau.