Thees Uhlmann – Foto: Sven Morgenstern

Wer dieses Magazin desöfteren mal liest, der weiß, dass ich ein kleines Fable für Frank Turner habe. Gut, man ersetze kleines Fable durch krankhaften Fanatismus. Aber sonst stimmt das. Um so schlimmer die Nachricht, dass Frank Turner seinen Auftritt aufgrund eines schweren Rückeleidens absagen muss. Innerhalb weniger Stunden konnte Veranstalter FKP Scorpio jedoch einen Ersatz aus dem Hut zaubern, der wohl besser nicht hätte passen können. Thees Uhlmann & Band stehen da, wo jetzt eigentlich Frank Turner mit seiner Band stehen sollte. Uhlmann schickt Genesungsgrüße auf die Insel und haut mal wieder seine Berüchtigten und unterhaltsamen Anekdoten raus. Thees Uhlmann ist einfach der perfekte Entertainer und selbst als bei Zum Laichen Und Sterben Ziehen Die Lachse Den Fluss Hinauf das Mikro aus seiner Halterung plumpst, überspielt er die Situation mit einem freundschaftlichen Tritt in den Hintern seines Roadies und lässt ganz einfach das Publikum singen. Das klappt wunderbar. Thees Uhlmann ist zwar kein Frank Turner. Aber er ist Thees Uhlmann. Und das ist doch auch verdammt gut.

Im Nahtlosen Übergang beginnen Tocotronic auf der anderen Bühne ihr Set. Ich renne so schnell ich kann rüber und verpasse nur die Hälfte des ersten Songs. Glück gehabt. Denn dieses Konzert schlägt dem Fass einfach den Boden aus. Auch hier muss ich mich wieder als Fanboy outen. Ich habe Tocotronic mittlerweile schon ziemlich oft gesehen, aber das heute ist mit Abstand die beste Show, die sie, zumindest vor meinen Augen, jemals abgeliefert haben. Die Band zimmert nur die Tanznummern raus und lässt die ruhigeren Sachen im Körbchen. Aber Hier Leben, Nein Danke treibt den Highfieldpublikumschor zu Höchstleistungen am Gesang. Und spätestens beim letzten Song Hi Freaks tanzt nun auch wirklich jeder, jeder, jeder der sich grade auch nur in Bühnenhörweite befindet.

The Gaslight Anthem – Foto: Sven Morgenstern

Lustlos wie in letzter Zeit leider immer schlendern The Gaslight Anthem auf die Bühne. Mal eben 75 Minuten rumklimpern, Gage abkassieren und weiter zum nächsten Konzert. Das scheint sich die Band zumindest zu denken. Eine Band, die einst so viel Potential hatte und zwei Alben veröffentlichten, welche in 20 Jahren noch Klassiker sein werden. Doch dann kam der Erfolg. Und jetzt stehen sie hier. Zwei durchschnittliche bis schlechte Alben weiter, auf der ganz großen Bühne als Co-Headliner. Zwischendurch immer wieder ein paar Songs der ersten beiden Alben die mich auch mal mitsingen lassen. Aber trotzdem singe ich mit verschränkten Armen am Rand stehend mit. Da reißt einfach nichts mit, das ist einfach nur runtergeleiert. Sowas braucht tatsächlich kein Mensch. Schade. The Gaslight Anthem hätten das nächste, ganz große, tolle Ding werden können. Und so wie es aussieht werden sie es auch. Leider müsste man das Adjektiv „toll“ dann jedoch streichen.

Die Ärzte – Foto: Sven Morgenstern

Das ganz große Ding sind Die Ärzte schon lange. Ganz Headliner untypisch beginnt die Band fünf Minuten zu früh. Nunja, scheinen wohl motiviert zu sein. Warum ich mir die Band ein weiteres Mal anschaue weiß ich zu dem Zeitpunkt eigentlich gar nicht. Vor wenige Wochen enttäuschte mich die Band in Köln noch maßlos und da es sich um die gleiche Tour handelt, erwarte ich hier mal so gar nichts. Mein altes Fanherz ließ sich trotzdem breitschlagen und nun stehe ich vor der Bühne. Glück gehabt. Heute haben sie Bock. Heute blödeln die drei wie in alten Tagen rum. Und hauen spontan ein paar wirkliche Perlen raus. Der Lustige Astronaut, die B-Seite Rettet Die Wale, Ich Bin Reich und ganz vorne mit dabei: Wilde Mädchen lassen mich freudestrahlend durch die Menge hüpfen. Dass den Kram der letzten drei Alben wirklich kein Mensch braucht, dass braucht man nun wohl wirklich nicht betonen. Trotzdem besteht der Rest des Sets leider genau daraus. Mir egal, ich bin Glücklich ein paar Songs gehört zu haben, die diese Band nicht alle Tage spielt. Achja, liebe Ärzte, falls ihr zufälligerweise mitlest: Es ist besonders frustrierend, wenn ihr zwischen all den neuen Songs zwischendurch mal Dinge anspielt, die mein Herz sofort doppelt so schnell schlagen lassen, sie aber dann nach wenigen Sekunden wieder verwerft und den üblichen Standardkram spielt. An diesem Abend so geschehen mit Ein Lied Über Zensur, Zitroneneis, Vollmilch und Scheißtyp. Zieht es doch einfach mal durch, den Normalofans tut es nicht weh und die Hardcorefanatiker freuen sich einen Ast. Danke. Ende der Durchsage.

Oh Highfield, was war das schön bei dir. Bombenwetter, Bombenkonzerte und Bombenmenschen vor Ort haben dieses Wochenende zu einem wunderschönen Ausflug in den Osten der Republik gemacht. Nächstes Jahr wieder? Ich komm gerne rum. Sag einfach bescheid. Bis dahin!