So war’s: Broilers in Dortmund

Es ist die bis dato größte Show in ihrer Bandgeschichte. Die Broilers spielen heute Abend vor 11.000 Menschen in der Dortmunder Westfalenhalle.

Solche Menschenmassen zu beobachten ist, egal bei welchem Konzert, immer wieder beeindruckend. Überwältigend wird es, wenn sich dieser Klumpen Mensch über zwei Stunden lang selber durch den Fleischwolf dreht und bis an die körperlichen Grenzen ausrastet. Viele Bands schaffen das nicht, die Broilers heute schon. Keine Sekunde des Konzertes, in dem nicht der gesamte Innenraum in Bewegung ist. Da ist es natürlich auch nicht verwunderlich, dass es die Besucher auf den Rängen nicht auf ihren Sitzen hält.

Seit gut einem Monat ist das neue Album Noir auf dem Markt. Ein Album, welches die Fanszene sehr spaltete. Eine Band, die ursprünglich aus dem Oi-Punk-Bereich stammt, veröffentlichte plötzlich radiotaugliche Songs. Es ist zwar nicht so, dass der Wandel über Nacht kam, doch für viele brachte grade dieses Album das Fass zum überlaufen.

Solche Diskussionen sind an diesem Abend jedoch absolute Nebensache. Die Band spielt sich durch alle Epochen. Von der ersten Single Blume, bis zum aktuellen Hit Ist Da Jemand? wird alles geboten, was die Diskographie hergibt.

Sänger Sammy Amara scheint als Entertainer geboren. Gekonnt führt er durch den Abend, während sich die bierseligen Fans während der Balladen in den Armen liegen. Was heute Abend auffällt: Das Publikum setzt sich aus so ziemlich allen Bereichen der Gesellschaft zusammen. Punks, Skinheads, Familien mit Kindern, Hipster, Rentner, Kegelclubs, die Auflistung könnte noch ewig weiter gehen. Leider sieht man auch immer wieder Deppen mit Bandshirts von Kapellen wie Freiwild und Konsorten, die sich heute Abend in die Westfalenhalle verirrt haben. Den Broilers ist in diesem Falle absolut nichts vorzuwerfen. Mit Songs wie An All Den Schmutz oder Ich Will Hier Nicht Sein und den dazu passenden Ansagen grenzt sich die Band ganz klar vom braunen Sumpf ab. Es ist wohl viel mehr die Bordsteinkantenromantik, garniert mit einer ordentlichen Portion Pathos, welche dieses Klientel anlockt.

Musikalisch ist es heute Abend wirklich ein Fest. Die Band spielt in absoluter Höchstform, der Bläsersatz bietet erbitterte Duelle zwischen Saxophon und Trompete und Amaras Stimme klingt wie geölt. Eigentlich genau das, was bei einem Tourabschluss oft das große Problem ist. Hier, in der Westfalenhalle läuft es jedoch. Über zwei Stunden bieten die Broilers keine Verschnaufpause. In den ersten Reihen müssen in regelmäßigen Abständen völlig erschöpfte Menschen aus dem Publikum gezogen werden. Heute geht es bis ans Limit und darüber hinaus.

Die Drohung, die ehrwürdige, alte Halle heute abzureißen machen die Band und ihre Fans heute glücklicherweise nicht wahr. Ein paar Risse mehr findet man aber bestimmt, wenn man genau hinschaut.

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Steffen Neumeister