Die finale Headliner-Position und die Nationalisierung des Programms
Mit Electric Callboy haben die Veranstalter des Highfield Festivals nun auch den letzten Headliner für die 2025er-Ausgabe bestätigt. Eine bemerkenswerte Entscheidung, die mehrere Lesarten erlaubt: Einerseits manifestiert sich die konsequente Nationalisierung des Festivalprogramms, die man bereits aus Jahren wie 2023 kennt. Novum: Man positioniert die Formation aus Castrop-Rauxel erstmals als vollwertigen Headliner – ein kalkulierter Testballon für mögliche weitere Headliner-Engagements bei den größeren FKP Scorpio-Formaten wie Hurricane und Southside. Während 2024 mit Macklemore und Rise Against noch zwei internationale Positionen die Green Stage dominierten, setzt man jetzt auf eine quasi vollständige deutsche Besetzung der oberen Hierarchie-Ebenen.
Die Gesamtheit der Neuzugänge: Systematische Diversifikation im nationalen Rahmen
Neben Electric Callboy komplettieren sich das aktuelle Bestätigungs-Paket durch Milky Chance, Swiss & Die Andern, Frank Turner & The Sleeping Souls, Royal Republic, 257ers, Betontod, Fatoni x Edgar Wasser x Juse Ju, Turbostaat, Massendefekt, Kasi, Dominik Hartz, Mola, Good Kid, Rosmarin und den letzjährigen Strandteilnehmern Bierbabes. Eine sorgfältig kuratierte Auswahl, die verschiedene Segmente des deutschen Musikmarktes adressiert – vom Folk-infizierten Pop über Deutschpunk bis hin zum intellektuellen Hip-Hop. Die wenigen internationalen Positionen erscheinen als kalkulierte Kontrastfolie, die die grundlegende nationale Ausrichtung akzentuiert, ohne sie substanziell zu konterkarieren.
Das Highfield 2023 präsentierte insgesamt rund 60 Acts auf seinen verschiedenen Bühnen – ein Programmumfang, der als standardisiertes Format des mittelgroßen deutschen Festivals betrachtet werden kann. Die Ausgabe 2024 bewegte sich mit etwa 55 Acts in einem ähnlichen quantitativen Rahmen, wobei hier bereits eine leichte Reduktion des Gesamtvolumens zu konstatieren war.
Für die 2025er Inkarnation des Festivals sind bisher 38 Acts bestätigt – eine Zahl, die signifikant unter den Vorjahreswerten liegt und nur eine Interpretation zulässt: Da kommt noch was. Nicht nur für die Beach Stage.
Electric Callboy: Vom Subkultur-Phänomen zum Festival-Headliner
Für Electric Callboy markiert die Platzierung als Headliner einen signifikanten Karriereschritt in der Festivalhierarchie. Die Band hat sich mit ihrer hybriden Ästhetik zwischen Metalcore und elektronischen Elementen als jenes Phänomen etabliert, das subkulturelle Codes in mainstream-kompatible Formate überführt – eine Transformation, die die Mechanismen des gegenwärtigen Musikmarktes illustriert. Der ironische Umgang mit Genrekonventionen und die visuelle Inszenierung haben der Formation eine demografisch diverse Fanbase beschert, die sie für das Highfield-Format prädestiniert.
Die internationale Perspektive: Randerscheinung statt Mittelpunkt
Der Trend ist unübersehbar: Die internationalen Acts werden beim Highfield 2025 zur Nebensache degradiert. Mit Frank Turner, Royal Republic und Good Kid hat man zwar ein paar nicht-deutsche Bands im Programm, aber ihre Platzierung im Line-up spricht Bände – sie sind bestenfalls schmückendes Beiwerk in einer Veranstaltung, die konsequent auf heimische Kräfte setzt. Diese Entwicklung reflektiert einen breiteren Trend in der Festivallandschaft, wo wirtschaftliche Überlegungen und veränderte Publikumspräferenzen einen spürbaren Nationalisierungskurs befördern – ein Phänomen, das weit über musikalische Geschmacksfragen hinausgeht.
Die ökonomische Dimension: 179 Euro als Einstiegspreis
Der Basispreis von 179 Euro positioniert das Highfield in einem preislichen Mittelfeld, das die Balance zwischen finanzieller Zugänglichkeit und ökonomischer Nachhaltigkeit suggeriert. Die Fokussierung auf nationale Acts ermöglicht eine Kostenkontrolle, die sich – zumindest theoretisch – positiv auf die Preisgestaltung auswirken könnte. Gleichzeitig adressiert man gezielt ein Publikum, das genau diese deutsche Ausrichtung präferiert – eine demografisch und ökonomisch plausible Entscheidung.
Termin und Ort: Die physische Manifestation des Programms
Das Highfield Festival wird vom 15. bis 17. August 2025 am Störmthaler See vor den Toren Leipzigs stattfinden. Tickets sind ab 179,- Euro auf der Festival-Website erhältlich – ein Preis, der die ökonomischen Realitäten der gegenwärtigen Live-Musik-Industrie reflektiert, ohne die preissensible Zielgruppe vollständig zu exkludieren.
Die Tagesverteilung im Überblick: Die kuratorische Gesamtkomposition
Freitag: 100 km/h, 257ers, Blond, Deichkind, Kasi, Kontra K, Leoniden, Milky Chance, Nina Chuba, Von Wegen Lisbeth
Samstag: 102 Boyz, Alli Neumann, Betontod, Bierbabes, Bilderbuch, Electric Callboy, Fatoni x Edgar Wasser x Juse Ju, Good Kid, Madsen, Massendefekt, Mehnersmoos, Mola, Paula Carolina, Royal Republic, Swiss & Die Andern
Sonntag: Bukahara, Clueso, Dominik Hartz, Frank Turner & The Sleeping Souls, Grossstadtgeflüster, Ikkmel, K.I.Z, Paula Hartmann, Rosmarin, The Kooks, The Subways, Turbostaat, Zerga Head