30 Jahre Hurricane, und zum Aufwärmen gibt’s Deutschrap mit Haltung
Das Hurricane feiert dieses Jahr seinen 30. Geburtstag, und die Warm-Up-Party liest sich wie ein bewusst kuratierter Querschnitt durch die Befindlichkeiten der deutschen Festivalrepublik. Disarstar bringt politisch aufgeladenen Deutschrap mit, der sich nicht hinter Punchlines versteckt, sondern Haltung zeigt. Ob das am Donnerstagabend auf einem Campingplatz voller vorfreudiger Festivalgänger die richtige Stimmung trifft oder eher wie ein Sozialkundereferat vor der Party wirkt, wird sich zeigen. Daneben stehen Juli im Programm, und wer jetzt reflexhaft „Die Perfekte Welle” summt, hat bereits verstanden, warum sie gebucht wurden: 2000er-Nostalgie als kollektiver Wohlfühlmoment, bevor das eigentliche Wochenende überhaupt begonnen hat. Das funktioniert. Immer.
Paula Carolina und Herrenmagazin füllen die Lücke zwischen Indie-Pop und Indie-Rock mit dem nötigen Ernst, während die Hansemädchen offenbar dafür zuständig sind, dass niemand zu lange über Texte nachdenkt und stattdessen einfach feiert. Dazu kommen Rikas, Raynor, Scene Queen, The Sophs, Blackgold sowie ein Spiegel-Live-Talk und Eva Schulz mit Deutschland3000. Weil ein modernes Festival 2026 eben nicht nur Musik ist, sondern auch Content.
Southside setzt auf Brass, Rap und catchy Vibes
Am Southside fällt die Warm-Up-Party erwartungsgemäß etwas anders aus. Moop Mama als Brass-Kolonne, die jede noch so müde Anreise in einen Straßenumzug verwandeln kann. Majan für die Rap-Pop-Gefühle-Fraktion, Mola für die Mitsing-Garantie und Hi! Spencer für alle, die ihr Indie-Herz schon beim Zeltaufbau auf der Zunge tragen. BrassPalast runden das Ganze ab, weil zwei Brass-Acts auf einer Warm-Up-Party offenbar die neue Formel für maximale Donnerstagabend-Eskalation sind.
Die letzten Puzzlestücke: Scene Queen, Rikas und Co.
Beide Festivals teilen sich einige der finalen Bestätigungen: Scene Queen bringt ihren selbstbetitelten „Bimbocore” mit, eine Mischung aus Pop-Punk, Metal und bewusster Provokation, die live deutlich mehr Wucht entwickelt als die Instagram-Ästhetik vermuten lässt. Rikas liefern sonnigen Indie-Pop, der auf Festival-Wiesen funktioniert wie Sonnencreme auf nassen Schultern: Man merkt erst hinterher, wie sehr man es gebraucht hat. Raynor, The Sophs, Blackgold und am Hurricane zusätzlich Tusker komplettieren die LIneup-Flyer.
Was das über die Festival-Saison 2026 verrät
Auffällig ist, wie konsequent beide Festivals ihre Warm-Up-Parties als eigenständige Mini-Events inszenieren. Das ist kein Zufall: Der Donnerstag ist längst kein netter Bonus mehr, sondern Teil des Gesamtpakets, mit dem sich Ticketpreise jenseits der 200-Euro-Marke rechtfertigen lassen. Dass beim Hurricane neben Musik auch journalistische Formate wie Der Spiegel Live und Deutschland3000 stattfinden, zeigt, wohin die Reise geht. Festivals als Erlebniswelt, nicht nur als Konzertmarathon. Ob man das als Bereicherung oder als Überfrachtung empfindet, hängt vermutlich davon ab, wie viel Bier man am Donnerstagabend bereits intus hat.
Die Hauptlineups stehen, die Warm-Ups sind gesetzt. Playlist aktualisieren, Zelt imprägnieren, los geht’s.




