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Reload Festival: Thrown ersetzen Nothing More, Dead Phoenix gewinnen Bandcontest

3. April 2026

Neues Album statt Festivalmarathon: Nothing More sagen Europa ab

Nothing More haben sämtliche europäische Festival-Shows für den Sommer 2026 gestrichen. Der Grund ist weniger dramatisch als befürchtet: Nach der CARNAL-Ära, die die Band durch 193 Shows und drei Europa-Tourneen mit den größten Crowds ihrer bisherigen Karriere führte, wollen die Texaner ins Studio, um ihr neues Album fertigzustellen. Zeit zum Aufladen, Zeit für die Familien, Zeit für das bestmögliche Album, so das offizielle Statement. Kein interner Beef also, keine Gesundheitsprobleme, einfach eine Band, die nach knapp 200 Shows merkt, dass auch der härteste Tourbus irgendwann an die Substanz geht. Verständlich, für die europäischen Festivals aber natürlich ärgerlich.

Thrown als Nachrücker: Upgrade statt Notlösung

Das Reload hat mit Thrown aus Schweden einen Ersatz gefunden, der auf dem Papier weniger nach Notlösung klingt als nach bewusster Akzentverschiebung. Wo Nothing More ihren pathetischen Alternative Metal mit theatralischer Bühnenpräsenz zelebrieren, bringen Thrown eine deutlich rauere Gangart mit. Der schwedische Vierer bewegt sich irgendwo zwischen Hardcore-Direktheit und Metalcore-Wucht, ohne sich dabei in technischen Spielereien zu verlieren. In einem Lineup, das mit Paleface Swiss, Fit For An Autopsy und Thy Art Is Murder ohnehin nicht gerade auf Schongang setzt, fügen sich Thrown nahtlos in die brettharte Flanke des Programms ein. Wer also gehofft hatte, sich bei Nothing More kurz emotional aufzuladen, bekommt stattdessen die Gelegenheit, sich von Thrown kompromisslos durchschütteln zu lassen. Kein schlechter Deal.

Das große Bild: Ein Lineup wie ein Querschnitt durch drei Jahrzehnte Heavy Music

Das Reload 2026 liest sich ohnehin wie eine Bestandsaufnahme des Genres, mit Judas Priest als Speerspitze. Darunter reihen sich In Flames, Arch Enemy und Lamb of God als bewährte Zugpferde, während Godsmack und Black Label Society die Sorte kernigen Macho-Metal mitbringen, die man entweder feiert oder konsequent ignoriert. Dass Airbourne ebenfalls dabei sind, überrascht niemanden, der schon mal ein Festival-Lineup gesehen hat. Aber hey, jemand muss den AC/DC-Slot füllen, und sie machen das seit Jahren mit einer Verlässlichkeit, die man fast schon bewundern muss.

Zwischen Blackgaze, Synthwave und Eskalation: Die spannenden Picks

Interessanter wird es eine Etage tiefer: Imminence und Future Palace stehen für die melodischere, emotional aufgeladene Seite des modernen Metalcore. Deafheaven bringen ihren Blackgaze-Entwurf mit, der live immer noch eine ganz eigene Sogwirkung entfaltet. Perturbator wiederum dürfte als Synthwave-Act auf einem Metal-Festival für den einen oder anderen irritierten Blick sorgen, liefert aber genau die Art von stilistischem Fremdkörper, die ein gutes Lineup braucht. Und dann wären da noch die Vengaboys, weil offenbar kein deutsches Festival mehr ohne ironischen Eskalations-Act auskommt. Boom, Boom, Boom, Boom auf dem Infield, zwischen Gutalax und Excrementory Grindfuckers. Man muss das nicht verstehen, man muss es nur überleben.

Dead Phoenix sichern sich die große Bühne

Ebenfalls neu bestätigt: Dead Phoenix, die den Bandcontest des Festivals für sich entschieden haben und damit einen Slot auf der großen Bühne spielen. Details zum Rahmenprogramm und die Running Order sollen wenige Wochen vor dem Festival folgen.

Das Reload Festival findet vom 13. bis 15. August 2026 in Sulingen, Niedersachsen statt. Tickets gibt es unter reload-festival.de/tickets.

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Thomas Peter

ein diplomierter Biologe mit starkem Hang zu Fotokamera und der besonderen Festivalatmosphäre.