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Rock am Ring & Rock im Park: 54 neue Acts komplettieren das Lineup 2026, und es wird eng

1. Oktober 2025

Halloween-Nacht, Vollmond, volle Karte

Es hat eine gewisse Theatralik, das finale Lineup ausgerechnet in der Halloween-Nacht zu enthüllen. Aber bei Rock am Ring und Rock im Park war 2025 ohnehin das Jahr der großen Gesten: Erst im September die Headliner-Keule mit Iron Maiden, Linkin Park, Volbeat, Limp Bizkit, Papa Roach, Electric Callboy, Bad Omens, Sabaton und The Offspring. Jetzt, zum Abschluss, noch einmal 54 Acts obendrauf. Wer bei dieser Karte noch nach einem Grund sucht, nicht hinzufahren, sucht vermutlich grundsätzlich nach Gründen.

Die zweite Welle: Zwischen Nostalgie-Kick und Szene-Kredibilität

Die Nachschlagwelle liest sich wie ein sorgfältig austarierter Spagat. Auf der einen Seite stehen Namen, die bei jedem funktionieren, der zwischen 2005 und 2015 musikalisch sozialisiert wurde: Breaking Benjamin für die, die Stadionrock noch ohne Ironie hören können. Alter Bridge für alle, die Myles Kennedy immer noch für einen der besten Sänger im Rockzirkus halten (und damit nicht ganz Unrecht haben). Bush, weil Gavin Rossdale offenbar einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat, der ihm ewige Relevanz auf europäischen Festivalbühnen sichert. Und Finch, deren Comeback niemand auf dem Zettel hatte, aber das live funktionieren dürfte wie ein unverhofftes Wiedersehen mit einer vergessenen Lieblingsplatte.

Auf der anderen Seite: Tom Morello als Solo-Act, was immer bedeutet, dass irgendwann am Abend „Killing in the Name” erklingen wird, auch wenn offiziell kein Rage-Set auf dem Programm steht. The Hives, die seit zwei Jahrzehnten beweisen, dass Garage Rock und maximale Selbstinszenierung sich nicht ausschließen, sondern bedingen. The Pretty Reckless, die mit Taylor Momsen eine Frontfrau haben, deren Transformation vom Gossip-Girl-Teenager zur ernstzunehmenden Rock-Stimme man nach wie vor mit einer Mischung aus Respekt und leichtem Unglauben beobachtet.

Und dann die Entdeckungen für alle, die gerne drei Reihen weiter vorne stehen als nötig: Wargasm für die Chaos-Fraktion, High Vis für britischen Post-Punk mit Arbeiterkanten, Ecca Vandal für den Stilbruch, Basement für die Emo-Revival-Veteranen. H-Blockx werden dafür sorgen, dass mindestens ein Mensch pro Konzert „Risin’ High” anstimmt, bevor die Band überhaupt auf der Bühne steht. Mehnersmoos und Sondaschule bedienen die deutschsprachige Flanke: Ska-Punk und Mucke mit Haltung für den Late-Afternoon-Slot, wenn die Sonne brennt und das dritte Bier sitzt.

Ausverkauft, ausverkaufter, Rekord

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Rock am Ring war bereits Anfang Oktober restlos ausverkauft. Rock im Park zieht nach, alle 72.000 Weekend-Tickets und die Tagestickets für Samstag und Sonntag sind seit Wochen weg. Ein Rekord in der Festivalgeschichte. Einzig für den Freitag gibt es noch Resttickets unter rock-im-park.com/tickets, wobei „Resttickets” in diesem Kontext vermutlich bedeutet: Wer noch eines will, sollte nicht bis Weihnachten warten.

Für alle, die ihr Ticket nicht nutzen können: Der offizielle Weg führt über Eventim FanSale (fansale.de). Alles andere ist Graumarkt, und wer schon mal vor einem Festivaleingang mit einem ungültigen Ticket stand, weiß, warum man sich das sparen sollte.

Was bleibt

Ein Lineup, das in seiner Breite kaum Wünsche offenlässt und in seiner Tiefe genug Überraschungen bereithält, um auch den dritten Festivaltag noch spannend zu machen. Dass beide Festivals praktisch ausverkauft sind, bevor die Running Order überhaupt steht, zeigt, wie sehr das Ring/Park-Doppel seinen Status als Institution der deutschen Festivallandschaft gefestigt hat. Jetzt fehlt nur noch das Wetter. Aber das ist bekanntlich die einzige Variable, die selbst das beste Booking nicht kontrollieren kann.

Rock im Park & Rock am Ring 2026: Das komplette Lineup nach Genres

Über 70 Acts auf dem Zeppelinfeld, und wie jedes Jahr stellt sich die Frage: Wo fängt man an, wo hört man auf? Wir haben das komplette Lineup sortiert, damit ihr euren Festivalplan schon mal in Ruhe durchspielen könnt. Spoiler: Es wird eng im Zeitplan.

Heavy Metal & Classic Rock

Iron Maiden, Mastodon, Trivium, Within Temptation, Sabaton, Danko Jones, The Subways

Die Speerspitze des Festivals. Iron Maiden als Headliner brauchen keine Erklärung, das ist Geschichtsunterricht mit Pyrotechnik. Mastodon bringen progressiven Anspruch mit, Trivium die Verlässlichkeit einer Band, die seit 20 Jahren liefert. Within Temptation und Sabaton bedienen die symphonische beziehungsweise die epische Flanke, während Danko Jones und The Subways dafür sorgen, dass auch der klassische Rock’n’Roll nicht zu kurz kommt.

Alternative Rock & Post-Grunge

Linkin Park, A Perfect Circle, Alter Bridge, Breaking Benjamin, Bush, Three Days Grace, Volbeat, Papa Roach, The Pretty Reckless, Badflower, Social Distortion

Die Herzkammer des Festivals. Linkin Park als Co-Headliner sind 2026 ohnehin überall, aber auf dem Zeppelinfeld wird das nochmal eine andere Hausnummer. A Perfect Circle bringen die Maynard-James-Keenan-Gravitas mit, Alter Bridge den handwerklichen Anspruch. Breaking Benjamin, Bush und Three Days Grace liefern die Sorte Stadionrock, der bei 50.000 Menschen einfach funktioniert. Social Distortion als Punk-Rock-Veteranen setzen den nötigen Kontrapunkt.

Metalcore & Post-Hardcore

Architects, Bad Omens, Bury Tomorrow, We Came As Romans, The Plot In You, Landmvrks, Thornhill, Loathe, Catch Your Breath, Finch, Letlive., The Story So Far

Hier wird es dicht. Architects und Bad Omens als Zugpferde der modernen Metalcore-Szene, dazu Bury Tomorrow und We Came As Romans für die Mitsing-Fraktion. Loathe und Thornhill stehen für den atmosphärischeren, progressiveren Ansatz. Dass Letlive. auf dem Zettel stehen, dürfte für einige der spannendsten 45 Minuten des gesamten Weekends sorgen: Jason Aalon Butler auf einer Festivalbühne ist nach wie vor kontrolliertes Chaos in Reinform. Finch und The Story So Far bedienen die Post-Hardcore- und Pop-Punk-Nostalgiker.

Hardcore & Beatdown

Paleface Swiss, Kublai Khan TX, Malevolence, Boundaries, Drain, Dying Wish, Return to Dust

Die Abriss-Fraktion. Wer hier in den ersten drei Reihen steht, sollte seine Krankenversicherung vorher nochmal überprüft haben. Paleface Swiss und Kublai Khan TX werden Pits erzeugen, in denen die Physik kurzzeitig außer Kraft gesetzt scheint. Drain bringen Crossover-Energie, Malevolence den britischen Hardcore-Stempel. Dying Wish und Boundaries komplettieren eine Sektion, die auf dem Papier allein schon nach Muskelkater riecht.

Death Metal & Extreme

Blood Incantation, Gatecreeper

Zwei Namen, aber was für welche. Blood Incantation für den kosmischen, progressiven Death-Metal-Entwurf, der live eine ganz eigene Sogwirkung entfaltet. Gatecreeper für Old-School-Death-Metal, der klingt, als hätte jemand 1992 auf Pause gedrückt und gerade erst wieder auf Play.

Nu Metal, Rap-Rock & Crossover

Limp Bizkit, Hollywood Undead, H-Blockx, Tom Morello, Ego Kill Talent, Bilmuri, TX2

Limp Bizkit sind 2026 immer noch da, und ehrlich gesagt funktioniert das mittlerweile weniger als Nostalgie und mehr als Naturgesetz. Tom Morello solo heißt: politische Statements, Gitarren-Wahnsinn und mindestens ein RATM-Song, auch wenn keiner offiziell auf der Setlist steht. H-Blockx für den deutschen Crossover-Klassiker, Hollywood Undead für alle, die Masken und Rap-Rock nie uncool fanden.

Pop-Punk, Emo & Scene

Ice Nine Kills, Electric Callboy, Set It Off, Black Veil Brides, Palaye Royale, Don Broco, Magnolia Park, The Funeral Portrait, Slay Squad, Bad Nerves

Electric Callboy sind mittlerweile so groß, dass man fast vergisst, wie absurd ihr Konzept eigentlich ist: Metalcore mit Eurodance-Hooks, und 70.000 Menschen singen jeden Ton mit. Ice Nine Kills bringen ihre Horror-Theatralik, Black Veil Brides und Palaye Royale die Emo-Ästhetik. Don Broco sind die britische Antwort auf die Frage, was passiert, wenn man Pop-Punk, Funk und Post-Hardcore in einen Mixer wirft. Bad Nerves für Punk-Rock mit Popsong-Effizienz.

Deutschsprachig & Deutschrap

Marteria, Mehnersmoos, Sondaschule, The Butcher Sisters, Max Grimm, President

Marteria als größter deutschsprachiger Name im Lineup dürfte einen der emotionalsten Momente des Weekends liefern. Sondaschule und Mehnersmoos für Ska-Punk mit Haltung und Humor, The Butcher Sisters für Punkrock mit Augenzwinkern. Max Grimm und President als Newcomer-Slots.

International, Genre-Sprenger & Sonderfälle

Babymetal, Bloodywood, The Hives, Ecca Vandal, The Garden, Wargasm, High Vis, Mouth Culture, Ankor

Die Sektion für alle, die gerne erklären, was sie da eigentlich gerade hören. Babymetal: J-Pop meets Metal, und wer das 2026 noch belächelt, hat die letzten zehn Jahre verpennt. Bloodywood bringen Metal aus Indien mit Folk-Elementen, The Hives schwedischen Garage Rock mit maximalem Ego. Wargasm für den Chaos-Faktor, High Vis für britischen Post-Punk der Arbeiterklasse, The Garden für den Art-Punk-Fever-Dream. Ecca Vandal irgendwo zwischen Punk, Electronic und purer Energie.


Rock im Park: 5.–7. Juni 2026, Zeppelinfeld, Nürnberg. Resttickets für den Freitag unter rock-im-park.com/tickets. Alles andere: ausverkauft.

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Thomas Peter

ein diplomierter Biologe mit starkem Hang zu Fotokamera und der besonderen Festivalatmosphäre.