Ein Künstler, der sich öffentlich über die Preise seiner eigenen Tour beschwert. Das kommt selten vor. Sam Fender hat es diese Woche getan, und er hat gewonnen.
Am Mittwoch hat Fender seine bisher größte Tour angekündigt: Stadionkonzerte in Großbritannien und Irland im Sommer 2027, darunter zwei Abende im Londoner Wembley-Stadion und zwei im St. James’ Park in seiner Heimat Newcastle. Deutschland ist nicht dabei.
Dann tauchten die Preise auf. Für Wembley war der Stehplatzbereich aufgeteilt, vorne ein teures „Front Standing“ für rund 130 Pfund, dahinter normale Stehplätze für knapp 100 Pfund. Sam Fender reagierte umgehend via Instagram: Er sei mit den Preisen schlicht nicht zufrieden und arbeite daran, sie zu senken. Von der Aufteilung habe er nichts gewusst.
Am Tag darauf folgten Taten: Die Front-Standing-Kategorie wurde komplett gestrichen. „Wer ein Stehplatzticket kauft, wird ganz vorne stehen“, so Fender. Die Netto-Preise liegen nun bei 85 Pfund für den Stehplatz, Sitzplätze kosten zwischen 55 und 95 Pfund. Inklusive Gebühren, auf die der Künstler keinen direkten Einfluss hat, landen die Stehplätze bei knapp 99 Pfund.
Warum das mehr ist als eine Insel-Meldung
Geteilte Stehplätze, dynamische Preise, „Golden Circle“: Das gibt es längst auch bei Stadion- und Arenakonzerten in Deutschland. Und die Kosten steigen weiter. Fender selbst nennt sie im Vergleich zu vor zwei Jahren „astronomisch“.
Für Festivals ist das eine doppelte Geschichte. Einerseits sind die aktuell aufgerufenen 269 bis 289 Euro für drei Tage Rock am Ring mit 50 Bands im Vergleich zu Einzelkonzerten fast ein Schnäppchen. Andererseits drücken genau diese enormen Kosten der Solo-Touren auf die Festivals selbst: Sie zahlen mehr für Infrastruktur, Sicherheit und vor allem für die Gagen. Die ganz großen Headliner verdienen mit eigenen Stadiontouren heute mehr und haben kaum noch finanzielle Anreize, sich in ein Festival-Line-up einzureihen. Zumal es auch kaum noch lohnt eigene, neue Musik auf Festivals zu promoten – weil man dmait schlicht kaum noch etwas verdient, wenn man nicht den Heldenstatus hat.
Meine Meinung dazu? Wir brauchen in der Rock- und Indie-Szene dringend mehr Künstler mit diesem Rückgrat. Der Trend der letzten Jahre hat die Live-Kultur zunehmend elitären Preisstrukturen unterworfen. Wenn ein Künstler wie Fender eingreift und verhindert, dass Fans der ersten Reihe tief in die Tasche greifen müssen, rettet das genau das Gemeinschaftsgefühl, das gute Rockmusik ausmacht. Gleichzeitig zeigt es aber auch, in welcher Zwickmühle die großen deutschen Open Airs stecken. Wenn Soloshows immer teurer in der Produktion werden, können Festivals diese Acts bald nur noch mit massiven Ticketpreiserhöhungen refinanzieren. Umso wichtiger ist es, dass Künstler ihre eigene Preispolitik kritisch hinterfragen.
Fender und die Festivals
Sam Fender ist in Deutschland vor allem als starker Live-Act auf Festivals bekannt. Zuletzt spielte er 2025 bei Hurricane und Southside: in Scheeßel am Samstag, in Neuhausen ob Eck am Sonntag. 2022 war er ebenfalls angekündigt, sagte seine Auftritte aber kurzfristig ab.
Für 2027 ist bislang kein Konzert in Deutschland angekündigt. Wer ihn auf einem Festival sehen möchte, muss über die Grenze schauen: Beim Rock Werchter in Belgien schließt Fender am Samstag, 3. Juli, die Main Stage. Das Festival findet vom 1. bis 4. Juli statt.
Quellen
- https://www.samfender.com
- Hinweis: https://www.nme.com/news/music/sam-fender-not-happy-with-prices-for-2027-stadium-tour-getting-changed-3974129
- Hinweis: https://nme.com/news/music/sam-fender-scraps-front-standing-tickets-reduced-prices-2027-stadium-tour-3974164
- Hinweis: https://www.rte.ie/entertainment/2026/1024/1596728-sam-fender-vows-to-change-tour-ticket-prices/




