Das Metal Hammer Paradise hat seine ersten Bands für November 2025 bekannt gegeben, und die Mischung verspricht sowohl Traditionsbewusstsein als auch musikalische Vielfalt. Die New Wave of British Heavy Metal trifft auf finnische Cello-Virtuosität, wenn Saxon und Apocalyptica als Headliner den Ferienpark Weissenhäuser Strand in ein metallisches Winterparadies verwandeln.
Seit seiner Gründung 2013 hat sich das Metal Hammer Paradise als charmanter Außenseiter in der deutschen Festivallandschaft etabliert. Während andere Festivals auf Matsch, Zeltplätze und Dixiklos setzen, wählte der Metal Hammer – das traditionsreiche Musikmagazin, das seit 1984 die deutsche Heavy-Metal-Szene mit Gitarrensolos und Albumkritiken versorgt – einen eleganteren Ansatz: Headbangen mit Komfort. Die letzten Editionen 2022 und 2023 waren mit jeweils knapp 4.000 Besuchern restlos ausverkauft, während 2024 nur noch wenige Restkarten übrig blieben – ein Trend, der sich offenbar fortsetzt, denn auch für 2025 vermeldet der Veranstalter bereits “fast ausverkauft”, was in etwa bedeutet: Wer noch dabei sein will, sollte seine Kreditkarte schneller zücken als Dragonforce Gitarrensoli spielen kann.
Nostalgie trifft Haarspray: Die Headliner im Fokus
Die aktuelle Ausgabe des Metal Hammer Magazins (04/2025, Erscheinungsdatum 17. März 2025) widmet sich übrigens ausführlich der Renaissance des klassischen Heavy Metals und präsentiert ein exklusives Interview mit Biff Byford, in dem der Saxon-Frontmann über die erstaunliche Langlebigkeit seiner Band philosophiert. Ein perfektes Timing zur Festival-Ankündigung – fast so, als hätten die Redakteure und Veranstalter sich abgesprochen. Was für ein unglaublicher Zufall!
Die Ankündigung liest sich wie eine amüsante Kreuzung aus Metalgeschichte und Gegenwart: Während die britischen Veteranen von Saxon mit ihren zeitlosen Hymnen “Princess of the Night” und “Wheels of Steel” die Traditionalisten beglücken, sorgen Apocalyptica für den klassisch angehauchten Kontrapunkt. Die finnischen Cellisten haben bewiesen, dass klassische Instrumente und Metal keine Gegensätze sein müssen – ein kultureller Brückenschlag, der die Grenzen des Genres elegant dehnt.
Von Thrash bis Humor: Das metallische Buffet
Das weitere Line-up spiegelt die erstaunliche Bandbreite der modernen Metalszene wider: Von Kanonenfiebers intensivem Death-Metal über **J.B.O.**s humorvolles Metall-Kabarett bis hin zu Brothers of Metals epischem Power-Metal ist für jeden etwas dabei. Besonders erfreulich für Festival-Veteranen: Tankard kehrt an den Ort zurück, an dem sie bereits 2015 ihre bierselige Thrash-Philosophie zelebrierten – vermutlich weniger aus nostalgischen Gründen als vielmehr, weil sie den Weg zum Ferienpark inzwischen im Schlaf finden.
Die Liste der Mittelfeldkämpfer liest sich wie das Who-is-Who der gehobenen Clubszene: Benediction bringt britischen Death-Metal-Hochadel, Nestor schwedischen Retro-Charme, Iron Savior hanseatische Science-Fiction-Fantasien, während April Art, Dymytry Paradox, The Night Eternal, Velvet Rush, Bonsai Kitten, Turbokill und Crimson Veil sicherstellen, dass auch die Nachmittagsstunden mit metallischem Getöse gefüllt sind. Für jeden Geschmack dürfte etwas dabei sein – es sei denn, man steht auf Smooth Jazz oder Ambient.
Moshpit im Wellnessbereich: Die komfortable Revolution
Die Tatsache, dass das Festival bereits fast ausverkauft ist, zeigt eindrucksvoll, wie attraktiv die Kombination aus Indoor-Festival und Ferienpark-Atmosphäre für die Szene geworden ist – ein Format, das sich perfekt für die norddeutsche Novemberkälte eignet und den Winter mit metallischer Wärme erträglicher macht. Offenbar ist nichts verlockender als die Aussicht, tagsüber den Strandspaziergang mit dem abendlichen Konzertbesuch zu verbinden – der vermutlich einzige Ort, an dem Meeresrauschen und Gitarrenverzerrung in friedlicher Koexistenz existieren.
Wer noch keine Tickets hat, sollte schnell zugreifen. Die Preise beginnen bei knapp 170 € für ein Festivalticket ohne Unterkunft und klettern je nach Komfortwunsch und Personenzahl bis zu 900 € für Premium-Ferienwohnungen. Das ist schon eher Luxus.
Für die geplanten 4.000 Besucher, die am 28. und 29. November 2025 den Weissenhäuser Strand bevölkern werden, dürfte es wieder das gemütlichste Metal-Event des Jahres werden – Einwegrasierer zum Entfernen von Strandmuscheln aus dem Bartgeflecht werden vermutlich extra berechnet.