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Trauer um Dennis Scheider: Ehemaliger Muff Potter-Gitarrist mit 47 Jahren verstorben

1. April 2025

Die deutsche Musikszene ist von einer traurigen Nachricht getroffen worden: Dennis Scheider, langjähriger Gitarrist und prägende Figur der Indie-Punk-Band Muff Potter, ist tot. Wie seine ehemaligen Bandkollegen Anfang dieser Woche über den offiziellen Instagram-Kanal der Band mitteilten, verstarb der Musiker im Alter von nur 47 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit. Die Nachricht löste in der Musikwelt und bei Fans große Bestürzung und Trauer aus.

Muff Potter: „Schockiert und fassungslos”

In ihrem emotionalen Instagram-Post drückten die verbliebenen Mitglieder von Muff Potter ihre Fassungslosigkeit aus: „Unser Freund Dennis Scheider ist gestern nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. Mit 47 Jahren viel zu früh! Wir sind schockiert und fassungslos.” Sie würdigten Scheiders immensen Beitrag zur Band über viele Jahre hinweg: „Dennis hat die Band Muff Potter über lange Jahre ganz entscheidend mitgeprägt. Natürlich in seiner Funktion als Gitarrist, Komponist und Texter, vor allem aber durch seinen unverwüstlichen Optimismus, seine Offenheit und nicht zuletzt seinen ganz eigenen, speziellen Witz.”

Die Band zeigte sich „unendlich dankbar” für die gemeinsame Zeit und versicherte: „Du wirst für immer in unseren Herzen sein.” Ihre Gedanken seien bei den engsten Angehörigen des Verstorbenen. Der Post schloss mit einer eindringlichen Mahnung und einem Zitat: „Bitte habt Euch lieb, die Zeit ist kurz. ‚Alles was ist, alles was war / Wir sind immer noch hier, wir sind immer noch da.'”

Ein Leben für die Musik: Von Muff Potter bis „Die Tiere”

Dennis Scheider stieß 1997 zu der in Münster und Rheine gegründeten Band Muff Potter und blieb bis zu deren vorläufiger Auflösung im Jahr 2009 eine zentrale kreative Kraft. Als Gitarrist prägte er den Sound der Band maßgeblich mit und war an der Entstehung von sieben Studioalben beteiligt, die Muff Potter zu einer der wichtigsten und stilprägendsten deutschsprachigen Bands im Spannungsfeld von Indie-Rock, Punk und Post-Punk machten. Auch bei der kurzzeitigen Reunion der Band im Jahr 2022 stand er noch einmal mit auf der Bühne.

Doch auch nach der Muff Potter-Ära blieb Scheider musikalisch umtriebig. 2016 gründete er das Projekt „Hotel Scheider”, mit dem er das Album „Zurück in den Ring” veröffentlichte. Erst Anfang 2024 hatte er sein neues Solo-Projekt „Die Tiere” angekündigt, mit dem er ein weiteres musikalisches Kapitel aufschlagen wollte – in einer Zeit, in der Bandnamen häufig so klingen, als hätte man einen Hipster-Buzzword-Generator mit zu viel Kaffee gefüttert, eine erfrischend unprätentiöse Wahl. Im Mai 2024 folgte die EP „Wir wollen nichts” mit fünf Indie-Rock-Songs.

Musikwelt trauert: Große Anteilnahme im Netz

Der frühe Tod von Dennis Scheider löste eine Welle der Anteilnahme aus. Unter dem Instagram-Beitrag von Muff Potter bekundeten zahlreiche Fans, Musikerinnen und Weggefährtinnen ihr Beileid und teilten ihre Erinnerungen. Die Reaktionen spiegeln den Schock und die Trauer über den Verlust wider:

  • Die Band Jupiter Jones schrieb: „Oh nein wie furchtbar! Wir wünschen der Familie und euch viel Kraft und schicken eine ganz feste Umarmung!” – die digitale Version des Händedrucks nach der Beerdigung.
  • Ingo Knollmann von der Band Donots zeigte sich persönlich betroffen: „Ey, das macht mich so so traurig. ? Rest easy, punk. Schicke Euch allen eine dicke Umarmung!”
  • Der Musikjournalist Jan Schwarzkamp brachte seine Fassungslosigkeit zum Ausdruck: „Fuck, das ist ja entsetzlich. ?”

Dennis Scheider hinterlässt eine spürbare Lücke – als Musiker, dessen Gitarrenspiel den Sound einer Generation von Indie-Fans begleitete, und als Mensch, dessen positive Ausstrahlung von seinen Bandkollegen besonders hervorgehoben wird. Sein musikalisches Erbe wird in den Aufnahmen von Muff Potter, Hotel Scheider und Die Tiere weiterleben.

Persönliches

Es bringt einen tatsächlich zum Nachdenken, wenn man etwa im gleichen Alter ist. Mit 47 steht man eigentlich mitten im Leben – hat die chaotischen Zwanziger überstanden, die fordernden Dreißiger gemeistert und sieht sich in einer Phase, in der man sowohl beruflich als auch persönlich einen gewissen Überblick gewonnen hat.

Wenn dann jemand wie Dennis Scheider so plötzlich aus dem Leben gerissen wird, wirkt es wie ein unerwarteter Stromausfall während des Headliner-Auftritts. Die eigene Vergänglichkeit, die man gerne in die hinteren Reihen des Bewusstseins verbannt – irgendwo zwischen “später mal Eigenheim abbezahlen” und “irgendwann in Rente gehen” – drängt sich plötzlich in den Vordergrund.

Es ist diese seltsame Lebensphase, in der man einerseits noch immer den gleichen Musikgeschmack pflegt wie mit 25, andererseits aber morgens beim Aufstehen neue Geräusche von sich gibt. Man kennt noch alle Texte der alten Indie-Hymnen, hat aber gleichzeitig einen Termin zur Vorsorgeuntersuchung im Kalender stehen.

In solchen Momenten werden die Songtexte und das “Habt euch lieb, die Zeit ist kurz” der Bandkollegen plötzlich von philosophischen Randbemerkungen zu zentralen Lebensweisheiten. Man wird sich bewusst, dass das eigene Festival nicht unbegrenzt verlängert werden kann, egal wie viele Zugaben man fordert.

Vielleicht ist das der Augenblick, in dem man den Alltag wieder bewusster wahrnimmt und sich vornimmt, das Leben nicht nur als Zuschauer zu verbringen, sondern aktiv mitzugestalten – solange die eigene Setlist noch läuft.

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Thomas Peter

ein diplomierter Biologe mit starkem Hang zu Fotokamera und der besonderen Festivalatmosphäre.