So war’s: Casper in Leipzig

Zugegeben: Vielleicht waren meine Erwartungen einfach zu hoch angesetzt. Ein ausverkauftes Haus Auensee ist erfahrungsgemäß auch eher selten ein Garant für ein genüssliches Konzerterlebnis. Die Summe an organisatorischen Unzulänglichkeiten war am gestrigen Abend aber einfach inakzeptabel. Chronologie einer einzigen, großen Enttäuschung.

Casper auf dem Open Flair 2013 ; Foto: Sven Morgenstern

Meine Vorfreude auf das Konzert resultierte nicht allein aus Casper. Klar, Casper-Konzerte sind in der Regel immer sehenswert. Aber durch sein exzessives Touren ist er inzwischen auch schon mit einer fast zweistelligen Anzahl in meiner Seen-Live-Liste vermerkt. Noch mehr als auf Casper freue ich mich daher auf die Vorband Portugal. The Man. Doch während wir vor dem Haus Auensee noch unsere letzten Bier- und Pfeffi-Reste vertilgen, die erste Ernüchterung: Portugal. The Man spielen schon – obwohl die Uhr gerade mal 19:30 Uhr, Zeit des offiziellen Veranstaltungsbeginns, zeigt. Daher lasse ich mein fast volles Bier bei Freunden zurück und betrete den Konzertsaal. Wo ich im Endeffekt noch genau eineinhalb Lieder des Support-Acts sehe. Die erste große Enttäuschung.

Wir versuchen anschließend also unsere Jacken an der Garderobe loszuwerden, werden dort aber wieder weggeschickt, weil diese voll sei. Man verweist uns auf die Garderobe auf dem Oberrang. Das allein wäre ja kein Problem, könnte man nach der Abgabe der Jacken, wieder den Stehplatzbereich direkt vor der Bühne betreten. Man sagt uns aber, dass dies erst wieder 15 Minuten vor Veranstaltungsende möglich sei. Warum auch immer. Wir sind also gezwungen, uns das Konzert vom Oberrang aus anzuschauen. Zwischen tanzfaulen Hipstern, die ja sowieso nur wegen der Vorband da waren und Eltern, die ihre Kinder begleiten.

Die einzige Möglichkeit, den Abend noch halbwegs erträglich zu gestalten, besteht also im Zusammentreffen mit einem guten alten Freund. Einem Weggefährten, der mich nie im Stich lässt. Dem Bier. Aber auch das Bier ist im Haus Auensee irgendwie ein Ärgernis. Vier Euro werden für 0,4 Liter des edlen Hopfensaftes verlangt. Überdurchschnittlich viel.

Wären die Ärgernisse einzeln aufgetreten, wäre das alles erträglich und verschmerzbar gewesen. Die Summe der Schwächen dieses Abends aber, lassen nur ein Urteil zu: 35 Euro zum Fenster rausgeworfen.

Die Geschichte des Konzerts an sich ist schnell erzählt. Unspektakulär, aber solide. Casper spielt alle Hits. Unzerbrechlich scheint keine Berücksichtigung mehr zu finden. Kraftklub-Frontmann Felix Brummer entert zu Ganz schön okay die Bühne.

Nichtsdestotrotz war dieser Abend aber ein Paradebeispiel dafür, wie man Besuchern durch mangelhafte und dilettantische Organisation ein wirklich solides Konzert gründlich vermiesen kann.

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Sven Morgenstern